DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

Städte der Zukunft


Zukunftsproblem Mobilität?
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Mit den sich ständig ändernden Ansprüchen der Menschen ändern sich auch die Aufgaben welche an die Umgebung gestellt werden. Städte sind dabei keine Ausnahme. Sie sollen den Wünschen und Bedürfnissen der jetzigen Generation genauso entsprechen wie jener der Zukünftigen. Mobilitätsexperte Michael Hanita erzählt in einem Interview mit der SI, welche Entwicklungen seiner Meinung nach Städte der Zukunft durchleben werden. Foto: Puk Patrick on Unsplash

Si Urban: Fast überall wird über das erhöhte Verkehrsaufkommen geklagt, aber welche Möglichkeiten gibt es die Städte der Zukunft in diesem Punkt zu entlasten?

 

Michael Hanita: Wie alles andere auch, müssen, auch Städte weiterentwickelt werden um mit der Zeit mithalten zu können. Meiner Meinung nach gibt es nur eine Chance dem steigenden Verkehrsaufkommen entgegen zu wirken und da ist, mehr auf den Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes zu setzen.

 

In einem PKW können vier bis fünf Personen transportiert werden, aber das reicht in der Zukunft nicht, Busse und Straßenbahnen bitten mehr Platz und werden aus diesem Grund auch in Zukunft mehr gefragt werden. Ich glaube aber nicht, dass man private Fahrzeuge durch ein gut ausgebautes öffentliches Transportnetz ganz von der Straße bekommen wird, aber die öffentlichen Verkehrsmittel würden entlastend auf den innerstädtischen Verkehr wirken.

 

Welche öffentlichen Verkehrsmittel sind Ihrer Meinung nach für diese Aufgaben am besten gerüstet?

 

Wenn man sich die derzeitige Situation ansieht muss man sagen, dass die Straßen bereits jetzt überfüllt sind und auch Busse einen Stau nicht entkommen können. Man wird also eher auf alternative Transportmittel zurückgreifen. Damit meine ich, wenn die Straße bereits voll ist muss man eben in der Tiefe oder in der Höhe nach Lösungen suchen.

Foto: Pedro Gandra on Unsplash

In Lateinamerikanischen Städten wird das Konzept in die Höhe auszuweichen bereits mit verzweigten Seilbahnnetzten umgesetzt, denken Sie das wäre auch für Europa eine Möglichkeit?

 

Für mich stellen Seilbahnen eine schöne Idee dar, aber ich denke, dass die Umsetzung bei uns derzeit noch viel zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Jeder wünscht sich eine Seilbahn und sieht den Nutzen daran, aber keiner möchte, dass die Seilbahn möglicherweise über das eigene Grundstück oder direkt daran vorbeigeführt wird.

 

Man sieht es eigentlich ganz schön am Beispiel Bonn. Man wünscht sich schon lange eine Seilbahn, die hinauf zur Universitätsklinik führt, da die Straße einfach nicht für ein so starkes Verkehrsaufkommen konstruiert wurde. Das Projekt wird nicht wegen eines schlechten Konzeptes, sondern wegen den Widersprüchen in der Bevölkerung immer weiter verzögert.

 

Sie sehen also keine baldige Zukunft für eine vermehrte urbane Seilbahnnutzung in Europa?

 

Ich würde mich freuen, wenn zum Beispiel am Rheinufer eine Seilbahn vorbei gehen würde, aber ich glaube die Leute müssen zuerst sehen, wie ein solches Projekt erfolgreich umgesetzt und auch optisch gut in die Umgebung integriert worden ist, um überzeugt zu werden. Außerdem sind die Umweltauflagen sehr hoch.

 

Wir haben viel Regen und deshalb auch eine vielfältige Fauna und Flora, an die man bei einem solchen Projekt denken muss. Auch die Vögel müssen berücksichtigt werden. So kann eine solche Anlage nicht in einem großen Vogelzugsgebiet gebaut werden, um nur einige Auflagen zu nennen.

 

Wenn wir weiter über eine mögliche Verkehrsentlastung reden, was halten Sie von dem Pilotprojekt „Flugtaxi“, welches in Ingolstadt geplant ist?

 

Es hört sich natürlich fantastisch an und ich bin gespannt mit welcher Technologie dies umgesetzt werden wird, aber wenn man sich die Situation auf manchen Straßen ansieht ist es vermutlich keine gute Idee, das gleiche 10 bis 20 Meter höher auch noch zu veranstalten. Es hat einfach nicht jeder das Zeug zum Piloten.

 

Gibt es Städte oder Regionen, die bereits jetzt erfolgreich für die Mobilitätsprobleme der Zukunft gewappnet sind?

 

Städte, die in den letzten 30 bis 40 Jahren entstanden sind, sind vermutlich um einiges besser auf solche Herausforderungen eingestellt, als jene mit einer bereits historisch vorgegebenen Stadtstruktur. In vielen europäischen Städten ist einfach kein Platz für große Projekte. Außerdem handelt es sich um ein dynamisches, schwer zu kalkulierendes Feld. Als man in Wien die Tangente gebaut hat war man sich sicher, eine Lösung für die Zukunft zu schaffen, aber im morgendlichen Stoßverkehr hat man eher das Gefühl sich auf Wiens größten Parkplatz zu befinden. Städte, die derzeit zum Beispiel im Mittleren Osten entstehen werden ganz anders auf eine spätere Expansion hin geplant.

 

Das heißt es bleibt nur der Ausbau des öffentlichen Verkehrs als Entlastung?

 

Nicht unbedingt nur der Ausbau, eher die optimale Vernetzung. Man müsste anfangen die Bewegung der Leute mehr zu analysieren, wo wollen die Leute wann hin und dann diese Abfahrtszeiten miteinander koordinieren. So dass es überhaupt keinen Sinn mehr macht, innerstädtisch ein Auto zu verwenden, weil man ohne genauso schnell ans Ziel kommt.

Über Michael Hanita

Seit Dezember 2016 ist Michael Hanita bei der Kölner Firma Arcadis tätig. Seine Tätigkeitsbereiche reichen dabei von Öffentlichen Verkehr über Flughäfen, Wasserwege und Häfen sowie Bergbau und Rohstoffe. Herr Hanita beschäftigt sich bereits seit über zehn Jahren mit dem Thema Infrastruktur und deren Koordination. In seine vielfältigen Tätigkeitsbereiche fällt auch Stadtplanung, Landschaftsarchitektur sowie externe Beratung für Regierungsbehörden. Weitere Erfahrungen konnte der Wiener in der Entwicklung von Umsetzungsstrategien für große Städtebauliche Projekte sammeln.