DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

Koblenz


Von der Planung bis heute- die Geschichte einer Seilbahn
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Die Seilbahn in Koblenz gilt heute als Referenzprojekt eines ökologisch sauberen Verkehrsmittels. Die Bewohner lieben ihre Seilbahn, doch zu Beginn des Projektes mussten auch einige Hindernisse überwunden werden, weiß der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt. Joachim Hofmann-Göttig in einem Interview mit SI Redakteurin Tamara Mair.

SI Urban: Warum hat man bei der Bundesgartenschau 2011 überhaupt an den Bau einer Seilbahn gedacht?

 

Joachim Hofmann-Göttig: Mit geplanten zwei Millionen Besuchern stand ein Verkehrsinfarkt, insbesondere im Nadelöhr des Ortsteils Ehrenbreitstein und auf der Pfaffendorfer Brücke zu befürchten. Da erschien die Seilbahn zwischen Deutschem Eck und Festung Ehrenbreitstein als eine pragmatische Lösung, die entscheidend für ein integratives Konzept der BuGa auf beiden Rheinseiten war.

 

Es war aber nicht jeder sofort von dieser Idee angetan oder?

 

Als Kulturstaatssekretär hatte ich seinerzeit beide Seiten am Tisch: die BuGa-Planer und die Landesdenkmalpflege. Ich unterbreitete den Vorschlag, die Seilbahn temporär für die BuGa auf drei Jahre zu akzeptieren. Damit konnten beide Seiten leben.

 

Gab es Schwierigkeiten die ideale Position für die Stationen zu finden?

 

Natürlich war das eines der Hauptprobleme, weniger die Bergstation, die zur Festung über den Festungspark führte als die Talstation, die unmittelbar vor der geschichtsträchtigen St. Kastor Basilika neben dem Deutschen Eck geplant war. Gegen den Standort gab es die Bedenken der staatlichen und der kirchlichen Denkmalpflege.

 

Es wurden andere Standorte, z.B. nördlich vom Deutschen Eck in Lützel geprüft, zumal diese außerhalb des Welterbegebietes gelegen hätten. Sie wurden aber verworfen, weil es Zweifel an der Akzeptanz durch die BuGa-Besucher gab. Aus heutiger Sicht ist völlig klar: Nur der gewählte Standort konnte die Attraktivität der BuGa und der Seilbahn sichern.

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Heute gilt die Seilbahn als Wahrzeichen der Stadt, aber gab es vor der Fertigstellung Zweifel gegenüber dem Projekt?

 

Natürlich. In der Bevölkerung war die Skepsis anfangs sehr ausgeprägt, auch im Stadtrat. Viele bezweifelten den wirtschaftlichen Erfolg der BuGa und der Seilbahn. Es war deshalb von entscheidender Bedeutung, dass die Firma Doppelmayr bereit war, das Risiko für die Investition und den Betrieb eigenwirtschaftlich zu übernehmen. Die Investition und der Betrieb liefen ohne öffentliche Zuschüsse. Und das gilt bis zum heutigen Tag. Das ist ein Grund für die hohe Akzeptanz des Projektes nunmehr durch die Bevölkerung.

Das Seilbahnprojekt war nicht nur ein Projekt im Zuge der BuGa?

 

 

Es war allen Beteiligten klar, dass die Seilbahn für den Erfolg der BuGa eine entscheidende Voraussetzung sein würde. Später, insbesondere in der Phase des Probebetriebs im Sommer 2010 kam hinzu, dass vielen Besuchern schon in der Baustellenphase der BuGa klar wurde, wie attraktiv eine Seilbahn, auch als ökologisch hoch moderner Verkehrsträger ist.

 

Seither wird in Koblenz die Debatte geführt, wie man die Seilbahn besser in den ÖPNV integrieren kann, wozu mit einem Rundticket (Seilbahn, Festungsbesuch, Schrägaufzug, Fähre) ein erster Ansatzpunkt geschaffen wurde. Die Diskussion über die Seilbahn nicht nur als touristische Attraktion, sondern auch als Verkehrsmittel der Zukunft bekommt neue Dimensionen durch die Erschließung eines neuen großen Wohnquartiers vor dem Festungsgelände (Fritsch Kaserne).

 

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Hersteller der Seilbahn?

 

Doppelmayr übernahm alle Risiken für Investition und Betrieb auf der Basis eines vertraglich gesicherten Anteils an den Besuchereinnahmen. Durch die überplanmäßige Nachfrage stiegen natürlich auch die Einnahme-Anteile für Doppelmayr. Nach der weiterhin guten Nachfrage auch in den Jahren nach der BuGa war Doppelmayr bereit, die Seilbahn zu eigenem Risiko weiter zu betreiben.

 

Das gilt auch für das Projekt BuGa 2031 (bzw. 2029). Die Zusammenarbeit war stets fair und verlässlich. Die Firma Doppelmayr hat sich in Koblenz und in der Region große Anerkennung erarbeitet.

 

 

Trotz großer Unterstützung gab es auch Hürden, die vor der Fertigstellung noch überwunden werden mussten, oder?

 

Nach dem schwierigen Kampf mit der Denkmalpflege gab es auch in der Bevölkerung erhebliche Widerstände wegen zu fällender Bäume für die Talstation und die Stützen. In einem Punkte hatten wir in Koblenz Glück, weil die Trassenführung der Seilbahn ausschließlich über öffentliche Grundstücke lief, wenngleich die Überquerung von Rhein und einer Bahntrasse auch genehmigungstechnisch einige Schwierigkeiten bereitete, die aber gemeinsam mit der Stadt Koblenz überwunden werden konnten. Ich weiß aus anderen Projekten, dass wir Glück hatten, als die Seilbahn nicht über private Gärten zu planen war, was erfahrungsgemäß noch größere Widerstände auslösen kann.

 

Wie gestaltete sich die Eröffnungsfeier der Seilbahn?

 

Sie wurde mit einer großen Feier unter Beteiligung des Bundespräsidenten und des Ministerpräsidenten vorgenommen. Der Erfolg der Eröffnungsfeier und der ersten BuGa Tage waren mitentscheidend für den Wandel in der Bevölkerungseinstellung. Die Koblenzer waren plötzlich vom Erfolg der BuGa und der Seilbahn überzeugt und wurden zum wichtigsten Werbeträger. Seither gab es immer wieder tolle Veranstaltungen, in denen die Seilbahn eine Rolle spielt. Was ursprünglich pragmatisch für die BuGa begonnen hat, ist heute ein Wahrzeichen und emotionaler Identifikationspunkt für die Koblenzer Bevölkerung.