DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

Urbane Seilbahnsysteme!


Modelle & ihre Einsatzmöglichkeiten
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Dass eine Seilbahn ein seilunterstütztes Verkehrsmittel ist, zählt zum Allgemeinwissen. Doch über die unterschiedlichen Arten von Seilbahnsystemen wissen nur die wenigsten Bescheid. SI Urban stellt die gängigsten Seilbahnsysteme vor, welche besonders für den urbanen Verkehr geeignet sind.

Mariche Tramo Expresso nennt sich die DOPPELMAYR-Einseilumlaufbahn in Caracas, Venezuela. Foto: DOPPELMAYR

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Eines der am häufigsten eingesetzten Systeme sind Einseilumlaufbahnen. Diese Anlagen sind kuppelbar, die Kabinen können also in den Stationen vom Seil gelöst werden. Dadurch lassen sich die Ein- und Ausstiegsbereiche mit geringer Geschwindigkeit passieren, während auf der Strecke höhere Fahrgeschwindigkeiten möglich sind. Einseilumlaufbahnen bieten daher eine hohe Förderkapazität von bis zu 4.500 Personen pro Stunde – bei einer Geschwindigkeit von bis zu sechs Metern pro Sekunde.

In Tiflis, Georgien, hat LEI TNE R ropeways eine Einseilumlaufbahn errichtet. Foto: LEITNER ropeways

Durch das Ein- und Auskuppeln ist nicht nur ein stressfreier Zu- und Ausstieg möglich, sondern auch die Garagierung von Kabinen. Somit können bei gefährlichen Wetterbedingungen oder bei nachfragearmen Randzeiten Kabinen ausgehängt werden. Die Kabinen von Einseilumlaufbahnen bieten bis zu 15 Personen Platz und können mit Sitzheizung, Gegensprechanlage, WLAN und vielem mehr ausgestattet werden. Kinderwagen, Rollstühle oder Fahrräder können dank barrierefreier Bauweise problemlos transportiert werden. Einseilumlaufbahnen sind zudem sehr wartungsarm.

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Mehrseilumlaufbahnen haben ihre Namen aufgrund der Anzahl ihrer Seile. Eine Zweiseilumlaufbahn verfügt über ein Trag- und ein Zugseil. Eine Dreiseilumlaufbahn (3S) über zwei Tragseile sowie ein Zugseil. Beide Systeme sind mit kuppelbaren Klemmen ausgeführt und bieten eine sehr hohe Förderleistung. Die Fahrzeuge fassen bis zu 35 Personen und können in den Stationen verlangsamt und mit Stopand- Go Technologie sogar komplett angehalten werden. Das sorgt für ein zusätzliches Plus an Komfort beim Einund Aussteigen. Mehrseilumlaufbahnen können eine Transportkapazität von über 5.000 Personen pro Stunde und eine Geschwindigkeit von bis zu acht Metern pro Sekunde erreichen.

In Bozen, Italien, ist eine 3S-Bahn von LEITNER ropeways in Betrieb. Foto: LEITNER ropeways

Mehrseilumlaufbahnen sind eine besonders attraktive Alternative für den urbanen Personentransport, da sie einen geringen Energieverbrauch, hohe Transportkapazität, höchsten Standard an Betriebssicherheit und die Möglichkeit von extrem langen Spannfeldern von bis zu drei Kilometern bieten. Zudem sind sie auch bei Windgeschwindigkeiten von über 100 Kilometern pro Stunde verfügbar.

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Pendelbahnen sind wiederum besonders für extreme Geländeverhältnisse, hohe Ansprüche an die Verfügbarkeit, Windstabilität und Betriebssicherheit geeignet, etwa für Fluss-, Buchtund Schluchtüberquerungen oder Strecken zu Aussichtspunkten, Burgen und Stadtbergen. Bei diesem System verkehren ein oder zwei Kabinen im Pendelbetrieb.

Eine Pendelbahn von DOPPELMAYR verkehrt in Tromsø, Norwegen. Foto: DOPPELMAYR

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Sie werden zwischen den Stationen vom Zugseil auf einem oder zwei Tragseilen bewegt. Die Laufwerke der Fahrzeuge sind durch das obere und untere Zugseil miteinander verbunden. Eine Kabine kann für 6 bis 200 Personen ausgelegt sein, wodurch die Pendelbahn je nach Geschwindigkeit (bis zu zwölf Meter pro Sekunde) und Fahrbahnlänge eine Förderleistung zwischen 500 und 2.000 Personen erreichen kann.

Die Kabinen sind in verschiedenen Designs erhältlich und eignen sich daher perfekt als Aushängeschild für das Stadtmarketing. Ein großes Plus der Pendelbahn ist zudem die Möglichkeit des Materialtransports – sei es in den Kabinen selbst oder als angehängte Unterlast.

 

Die Roosevelt Pendelbahn in New York, USA, stammt von POMA. Foto: DOPPELMAYR Foto: POMA

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Standseilbahnen fahren auf Schienen. Die Streckenführung ist sehr flexibel, ob gerade oder in Kurven, bergauf oder bergab. Die Fahrzeuge werden mittels Zugseil meist im Pendelverkehr geführt. Während bei kurzen Strecken zwei Schienenstränge nebeneinander möglich sind, wird bei längeren Anlagen eine einzige Spur mit einer in der Streckenmitte gelegenen Ausweichstelle verwendet.

In Baku, Aserbaidschan, fährt die Standseilbahn von DOPPELMAYR. Foto: DOPPELMAYR

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Die Wagengröße ist variabel, Einzelwagen können zu Zügen verbunden werden. Standseilbahnen sind mit bis zu 14 Metern pro Stunde die schnellsten Seilbahnsysteme und können mit höchster Verfügbarkeit realisiert werden. Mit der Möglichkeit auch Zwischenstationen mzusetzen, ist dieses System hervorragend als öffentliches Verkehrsmittel geeignet – ob mit Fahrbegleiter oder vollautomatisch.

Ein Schrägaufzug von INAUEN-SCHÄTTI ist in Bern, Schweiz, aktiv. Foto: INAUEN-SCHÄTTI

Bei Wagengrößen von bis zu 400 Personen sind Förderleistungen von bis zu 8.000 Personen pro Stunde möglich. Dank der bodennahen Führung zeichnet sich die Standseilbahn bei allen Witterungsbedingungen durch eine optimale Verfügbarkeit aus und überzeugt zudem durch eine lange Lebensdauer von 40 Jahren und moderaten Unterhaltskosten.

 

Im Gegensatz zu Standseilbahnen, die normalerweise für die Überwindung von Höhenunterschieden eingesetzt werden, bieten der Cable Liner von DOPPELMAYR und die MiniMetro von LEITNER ropeways leistungsstarken Personentransport auf horizontalem Gelände. (Die maximale Neigung liegt bei 15 Grad). Beide Produkte sind kuppelbare Seilbahnsysteme auf Schienen, die sich besonders für kurze und mittlere Distanzen (drei bis vier Kilometer pro Sektion) eignen.

 

Sie verbinden Flughäfen, Messe- & Kongresszentren, Universitäten oder große Industrie- und Verwaltungskomplexe. Zudem dienen sie als Zubringer für Erlebniszentren, Sportstadien, Park & Ride- Anlagen sowie Vergnügungsparks.

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Die Förderkapazität liegt bei bis zu 3.000 Personen pro Stunde, die Fahrgeschwindigkeit kann bis zu 30 Kilometer pro Stunde erreichen. Die Flexibilität der Systeme lässt die Bahnen bestens in die bereits bestehende urbane Infrastruktur integrieren, die Aufbauzeiten sind dank durchdachter Modulbauweise sehr kurz. Schrägaufzüge verwenden die grundlegende Technologie des vertikalen Aufzugs – nur eben in Schräglage.

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Egal ob Sehenswürdigkeiten, Bahnhöfe oder ganze Siedlungen – in vielen Städten können Gebäude und Straßenzüge in Hanglage durch Schrägaufzüge erschlossen werden. Ihr optimaler Einsatzbereich sind geradlinige, kurze Strecken zwischen 20 und 400 Metern. Schrägaufzüge können mit einer Geschwindigkeit von bis zu vier Metern pro Sekunde bis zu 600 Personen pro Stunde transportieren. Die Kabinengrößen reichen von vier bis 400 Personen. Dank der integralen Automatisierung ist kein Bedienungspersonal notwendig. ts

Der Cable Liner von DOPPELMAYR (oben) fährt u.a. in Venedig, Italien, während die MiniMetro von LEITNER ropeways u.a. in Pisa, Italien, unterwegs ist. Fotos: DOPPELMAYR (oben) LEITNER ropeways