DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

Sicherheit am Seil


Urbane Seilbahnen gelten als die sichersten Verkehrsmittel der Welt: Nur einen Unfall auf 17,1 Millionen Kilometer zählt das deutsche Statistikbundesamt für das Verkehrsmittel Seilbahn. Damit liegt das Transportsystem vor dem Auto (ein Unfall auf 1,46 Mio. km), der Eisenbahn (ein Unfall auf 1,31 Mio. km), dem Bus (ein Unfall auf 616.000 Kilometern) und der Straßenbahn (ein Unfall auf 225.000 km). Lediglich das Flugzeug ist mit einem Unfall auf 113 Millionen Kilometer sicherer. In Relation zur Beförderungsgesamtzahl sind Seilbahnen sogar das sicherste Verkehrsmittel.

Exklusive Fahrbahn


 

Dies ist vor allem auf die exklusive Fahrbahn zurückzuführen, welche Seilbahnen ihr Eigen nennen. Es gibt keine Kollision mit anderen Verkehrsteilnehmern, da die „Fahrbahn“ exklusiv von der Seilbahn genutzt wird. Zudem gibt es keine Staus oder Hindernisse, die den Betrieb beeinträchtigen könnten. Sollten Winde oder schlechte Wetterbedingungen den Stillstand der Bahn erfordern, können die Kabinen ausgehängt und garagiert werden.

 

Dieses Szenario ist aber selten, da beispielsweise Mehrseilumlaufbahnen Windstärken von über 100 Kilometern pro Stunde problemlos aushalten können. Spezielle Schutzeinrichtungen sorgen dafür, dass die Seile nicht entgleisen.

Videokameras in Stationen und Kabinen sind Standard. Foto: Fotolia

„Die meistens Unfälle passieren durch das Fehlverhalten von Fahrgästen beim Ein- und Aussteigen, nicht durch technisches Versagen“, erklärt Gabor Oblatka, Professor an der ETH Zürich. Sollten Störungen oder Unfälle passieren, können urbane Seilbahnen mit doppelten Antrieben Stopps und längere Aufenthalte auf der Strecke vermeiden. Notbergungen werden so zu einer wirklich sehr seltenen Ausnahme.

Bewährte Bergungskonzepte


 

Ein zertifiziertes Räumungskonzept basierend auf mehrstufigen Back-Up-Systemen sorgt dafür, dass die Seilbahn auch bei Ausfall einzelner technischer Komponenten fahrbereit bleibt und alle Gondeln jederzeit in die Stationen befördert werden können. Sollte trotzdem eine Bergung notwenig sein, greifen jahrzehntelang erprobte Konzepte, Techniken und Produkte. Ob Seilfahrgeräte, gut ausgebildete Sollte trotz der Seilbahntechnik eine Bergung notwenig sein, greifen jahrzehntelang erprobte Konzepte, Techniken und Produkte.

Videoüberwachung möglich

 

Seilbahnen können zudem mit einem Audio- und Videokommunikationssystem ausgestattet und zentral überwacht werden. Kriminelle haben in den Haltestellen mit Bahnsteigtüren bei gesicherten Ausgängen wenige Fluchtmöglichkeiten. Für Zusteigende öffnen sich die Bahnsteigtüren dagegen nur, wenn eine Gondel davor steht. Somit kann niemand der einschwebenden Gondel in die Quere kommen.

Üblicherweise bleiben die Fenster geschlossen und die Kabinen werden gut gelüftet. Dadurch können keine Gegenstände oder brennende Zigarettenstummel hinuntergeworfen werden. Jalousien mit waagrechten Lamellen, undurchsichtig werdende Gläser und umlaufende Manschetten können Einblicke in überfahrene Gärten und Höfe verhindern. Höhenangstgefühle treten somit seltener auf, die Privatsphäre der überflogenen Menschen bleibt gewahrt.

Die Angst lauert in den Köpfen


 

Trotz all dieser beruhigenden Fakten gelten Seilbahnen in den Köpfen vieler Menschen als gefährliche Verkehrsmittel. Eine ganze Nacht in einer engen Gondel, unter dem Käfig gähnt der Abgrund – Nachrichten wie diese verursachen selbst bei Unbeteiligten Angst und Stress. Und üben eine finstere Faszinantion aus. „Fast jeder ist schon einmal in einer- Seilbahn gefahren, das erzeugt hohe Empathie mit den Betroffenen“, sagt der Sozialpsychologe Dieter Frey von der Universität München.

 

Stillstand, Sturz und Kollison – plastische, konkrete Gefahren, die sich jeder sofort ausmalen kann. Ein Seilbahnunglück besteht meist nicht – wie vielleicht bei einem Flugzeugabsturz – in einem einzigen Knall, sondern entspinnt sich in einer bangen Zeit der Ungewissheit. Für Passagiere einer Seilbahn führt bereits der erlebte Kontrollverlust zu Ängsten. Sie können nichts tun, sie sind ausgeliefert.

 

„In einer Seilbahn erleben die Fahrgäste diese Machtlosigkeit noch stärker als Flugzeugpassagiere. Sie wird von den Sinneseindrücken der Gondel noch verstärkt“, erklärt Frey. Die Kälte, das Schaukeln, die Höhe: Anders als im Flugzeug stellt sich der Abgrund ganz konkret dar, die Entfernung zum Boden wirkt größer als sie ist, das Tragseil der Gondel fühlt sich an wie ein seidener Faden.

 

Diese psychologisch bedingte Furcht vor Unfällen, Abstürzen und Stillständen ist eine der größten Hüren für urbane Seilbahnen, die durch intensive Überzeugungsarbeit abgebaut werden muss, wie Anton Seeber, CEO des Seilbahnherstellers LEITNER ropeways bereits in der Ausgabe SI Urban 2/17 forderte: „Wir müssen den Menschen die Angst davor nehmen, dass Seilbahnen gefährlich sind“. ts