DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

Bonn


Über Stadt, Berg und Fluss

Bereits vor drei Jahren hat die deutsche Bundesstadt Bonn eine Machbarkeitsstudie für eine Seilbahn auf den Venusberg in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Die Seilbahn zwischen der Uniklinik und der S-Bahn-Haltestelle Ramersdorf am anderen Ufer des Rheinflusses wäre technisch möglich und verkehrspolitisch sinnvoll. Derzeit streiten Verbände und Bürgerinitiativen über das Projekt, während eine fundierte Analyse durchgeführt wird.

Eine Seilbahnstation soll den UN-Campus in Bonn erschließen.Foto: Adobe Stock

 

Die Seilbahn soll laut Machbarkeitsstudie vom Gelände des Universitätsklinikums auf dem Venusberg hinabführen, den Stadtwald überfahren, einen Knick nach rechts machen, über eine Schule zur DB-Haltestelle UN-Campus führen und so das Arbeitszentrum im ehemaligen Regierungsviertel anbinden.

 

Eine Verlängerung über den Rhein mit Anschluss der künftigen S-Bahn-Haltestelle Ramersdorf (S13) wäre ebenfalls denkbar. Gesamtstreckenlänge der favorisierten Nordtrasse: 4,3 Kilometer mit fünf Stationen und rund 24 Stützen.

 

Die 10er-Einseil- Umlaufbahn könnte 12.000 Fahrgäste pro Tag transportieren. Alle 30 Sekunden könnte eine Kabine „abheben“. Die Studie prognostiziert rund 7.000 Fahrgäste – mit einem Mobilitätsmanagement der Uniklinik wäre sogar eine Steigerung auf 9.400 Fahrgäste täglich möglich.

 

Die Fahrzeit würde bei einer Fahrgeschwindigkeit von sechs Metern pro Sekunde zwischen zwölf und 15 Minuten betragen. Die Seilbahn könnte den Autoverkehr auf der bedeutenden „Nordtrasse“ um acht Prozent (1.700 tägliche Fahrten) entlasten, bei einer Anpassung des Mobilitätsmanagements gar um 20 Prozent (4.100 Fahrten).

 

Die vergleichbare Autostrecke von Beuel auf den Venusberg mit circa zehn Kilometern Länge ist bei einer Reisezeit von durchschnittlich etwa 30 Stundenkilometern außerhalb von Stauzeiten mit circa 20 Minuten anzusetzen.

Die Seilbahn wäre an das öffentliche Nahverkehrsnetz angeschlossen und könnte mit einem gültigen Nahverkehrsticket ohne weitere Zuzahlung genutzt werden.

Zwei mögliche Trassen. Foto: Bundesstadt Bonn

Großer Zuspruch


Während die Studie technisch und verkehrspolitisch keine Argumente gegen eine Seilbahn auflistet, diskutieren laut dem Bonner General Anzeiger Politik und Bevölkerung noch weiter über das Für und Wider der geplanten Seilbahn.

 

Auf der einen Seite stehe die Bürgerinitiative „Bonn bleibt seilbahnfrei“, deren Name Programm sei. Auf der anderen Seite hätten sich aber neun Verkehrs- und Umweltverbände positioniert. Zudem unterstützen die örtliche Industrie- und Handelskammer, sowie das Universitätsklinikum die Pläne.

 

Und auch Großunternehmen wie die Telekom hätten Interesse signalisiert. Als möglicher Betreiber kämen die Stadtwerke Bonn infrage.

Fundierte Analyse fehlt noch


Die Gutachter haben zwar die grundsätzliche Machbarkeit geprüft. Was aber noch aussteht, ist eine fundierte Analyse, ob eine solche Seilbahn volkswirtschaftlich überhaupt tragbar wäre.

 

Diese soll voraussichtlich im Sommer 2019 veröffentlicht werden. Die Baukosten werden vorab auf 19,5 Millionen Euro für den ersten Streckenabschnitt Venusberg/Haltestelle UN-Campus und auf 22,3 Millionen Euro für den zweiten Streckenabschnitt über Rheinaue und Rhein geschätzt.

 

Das jährliche Defizit des Seilbahnbetriebs wird mit einer Million Euro (erster Streckenabschnitt) beziehungsweise drei Millionen Euro für die Gesamtstrecke taxiert. ts