DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

Trendforschung


Wie sieht die Mobilität ser Menschen in der Zukunft aus?
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Unsere Zeit ist schnelllebig. Noch nie zuvor gab es derart gewaltige technische Neuerungen wie heutzutage. Auch die Mobilität des Menschen verändert sich in gravierender Weise. Wohin der Weg künftig gehen könnte, erzählt die Trendforscherin und Lehrbeauftragte Mariann Reeb in einem Interview mit SI Redakteurin Birke Müller.

Si Urban: Sie sind Trendforscherin. Was genau bedeutet das? Marianne Reeb: Die Aufgabe meines Teams ist es, relevante Entwicklungen in der Gesellschaft, im Konsumverhalten und in der Mobilität zu erkennen, zu bewerten und die Relevanz und Konsequenzen für das Geschäft und die Produkte von Daimler abzuleiten. Dafür müssen wir hellwach und aufmerksam in die Welt schauen, mit den relevanten Experten sprechen und beobachtbare schwache Signale richtig deuten.

 

Wie entstehen Trends und kann man Sie beeinflussen? Trends entstehen häufig dadurch, dass verschiedene Dinge zusammen kommen – technologische und soziale Innovationen, die in die gleiche Richtung gehen.

Marianne Reeb
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Marianne Reeb wurde 1963 in Karlsruhe/Baden geboren. Sie hat in Mannheim und Berlin Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Marketing und Marktforschung studiert. Nach Ihrer Promotion zu zukünftigen Lebensstilen stieg sie bei der Daimler Forschung im Bereich Gesellschaft und Technik ein und arbeitet zu Trends und zukünftigen Zielgruppen. Forschung und Lehre hat sie nie ganz aufgegeben. Immer wieder übernimmt sie auch Lehraufträge. Sie ist Honorarprofessorin im Studiengang Kulturarbeit an der FH Potsdam.

Am Beispiel Sharing heißt das, dass die Idee, Autos in der Stadt zu teilen, schon relativ alt ist, eins der ersten Sharing-Angebote, Stadtauto, wurde in den Achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts gegründet. Für lange Zeit war das Carsharing allerdings noch ein Nischenphänomen. Erst die Möglichkeit, ein Fahrzeug mobil über das Smartphone zu buchen, hat zu einem deutlich breiteren Nutzerkreis geführt.

 

Inwieweit Trends beeinflussbar sind, hängt stark von der Art der Trends ab. In meinem Beispiel ist der Trend über die richtigen Angebote an Kunden sicher beeinflussbar. Andere Trends wie z.B. demographische, sind eher robust. Sie beschäftigen sich bei Ihren Forschungen viel mit der Mobilität des Menschen in der Zukunft. Glauben Sie, dass Urbane Seilbahnen in ein paar Jahren auch bei uns als Verkehrslösung eine Rolle spielen, so wie in Südamerika?

 

In Südamerika spielen Seilbahnen ja vor allem eine wichtige Rolle bei der Demokratisierung von Mobilität. Sie sollen auch Bewohnern von entlegeneren Wohngebieten ermöglichen, einer Arbeit in den Stadtzentren nach zu gehen. Aber auch in unseren Städten beobachten wir ein zunehmendes Interesse an solchen Projekten. Seilbahnen sind dabei ein Verkehrsmittel, das vergleichsweise schnell gebaut ist und wenig Verkehrsfläche in Anspruch nimmt.

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In einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung haben Sie ein Szenario aufgezeigt, wie Stuttgart in der Zukunft aussehen könnte. Was sind denn da die großen Veränderungen und in welchem Ausmaß kommen Seilbahnen vor? Unser Szenario für Stuttgart 2036 beinhaltet sehr viele Themen wie autonome emissionsfreie Fahrzeuge, neue Logistikkonzepte in der Stadt, die optimale Verknüpfung von verschiedenen Verkehrsmitteln an bestimmten Hubs. Dabei haben wir auch eine Seilbahn mit gedacht, da sich dieses Verkehrsmittel in einer Stadt wie Stuttgart mit den extremen Höhenunterschieden anbietet.

Was bringt die Zukunft? Noch mehr Autos auf den überlasteten Straßen oder führen uns technische Innovationen zu einer lebenswerteren Mobilität? Foto: pixabay

 

Außerdem halten wir Seilbahnen für ein intelligentes Mittel, um einen Teil der Mobilität in die dritte Dimension zu verlagern. Und dabei denken wir nicht nur an Personenmobilität, sondern auch an Gütertransport mit Hilfe der Seilbahnen. In allen großen Städten weltweit gibt es dieselben Probleme: Verkehrsüberlastung, Staus und daraus resultierend Lärm und Umweltverschmutzung.

 

Ganz zu schweigen von dem Stress und den gesundheitlichen Gefahren, dem die Menschen ausgesetzt sind. Trotzdem werden immer mehr Straßen und Brücken gebaut, auf denen immer mehr Autos, Busse und Lkws fahren. Wieso gibt es keine anderen Alternativen? Seilbahnen z.B. werden ja nach wie vor bei Verkehrsplanern nicht wirklich ernst genommen, ja sogar belächelt und als „Schnapsidee“ abgetan.

 

Warum glauben Sie, gibt es diese Ablehnung und wird sich das in naher Zukunft ändern? Seilbahnen bieten, wie bereits erwähnt, sicherlich interessante Möglichkeiten für die Personenmobilität, aber auch für den Gütertransport. Außerdem ist meine Wahrnehmung, dass sich hier auch gerade Einstellungen verändern bzw. neue interessante Use Cases auftun. In Göteborg ist man zurzeit ja nahe an einer Verwirklichung eines Seilbahnprojektes.

 

Was ist denn in Göteborg anders als in allen anderen Städten. Sind die Menschen dort etwa mutiger? Das Projekt in Göteborg kenne ich nicht im Detail. Ich denke, man muss sich immer sehr genau anschauen, für welchen Zweck und vor allem für welche Strecken solche Projekte geplant werden. Zurzeit sind die Einsatzmöglichkeiten von Seilbahnen ja auch noch eingeschränkt, auch wenn ich aus Gesprächen mit Herstellern weiß, dass intensiv an der Erweiterung der Einsatzmöglichkeiten gearbeitet wird.

 

Wie sieht denn Ihre Traumstadt der Zukunft verkehrstechnisch aus? Meine Traumstadt der Zukunft bietet mir vielfältige Möglichkeiten von A nach B zu kommen – je nach Anlass, Lust und Laune. Unsere Gegenwart ist ausgesprochen vielfältig, daher gehe ich davon aus, dass es auch in Zukunft nicht eine einzige Lösung für alle und alle Gelegenheiten geben wird.

 

Vernetzte Angebote machen es mir einfach, zwischen Verkehrsmitteln zu wählen und zu wechseln – das ist heute leider nur selten der Fall, auch wenn wir mit der Mobilitäts-App moovel, die z.B. den öffentlichen Personennahverkehr mit Carsharing-Angeboten wie car2go oder der Taxi-App mytaxi verbindet, schon einen wichtigen Schritt in diese Richtung gemacht haben.