DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

"Seilbahnen sind die vernünftige Ergänzung zur Verkehrsberuhigung"


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Weltmarktführer DOPPELMAYR sieht seinen Marktschwerpunkt im alpinen Raum und den Bergen der Welt. Doch der sinnvolle Einsatz von Seilbahnen zur innerstädtischen Verkehrsberuhigung und als komfortables und imposantes Transportmittel zu Points of Interests gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Si Urban im Gespräch mit den Geschäftsführern Thomas Pichler (links) und Anton Schwendinger.

 

Si Urban: Städte stehen vor vielschichtigen Herausforderungen. Innovative urbane Verkehrslösungen stehen mit an vorderster Stelle. Wie sehr engagiert sich das Unternehmen DOPPELMAYR in diesem Aufgabenfeld?

 

Anton Schwendinger: Auch wenn unsere Wurzeln und nach wie vor unsere Priorität im alpinen Raum liegen, ist für uns die Entwicklung von städtischen Seilbahnen und Seilbahnen zu Ausflugszielen und Attraktionen im urbanen Raum ein wesentlicher Wachstumsmarkt. Als Weltmarktführer bieten wir ein breites Spektrum an perfekten Lösungen an. Besonders mit unserer D-Line, die noch mehr an Sicherheit, Komfort und vor allem Laufruhe bietet, haben wir für innerstädtische, sensible Bereiche ein Produkt, das in vielerlei Hinsicht perfekt als Ergänzung für den öffentlichen Nahverkehr geeignet ist.

 

Thomas Pichler: Generell sind Seilbahnen für stark besiedelte Räume eine ideale Ergänzung. Es lassen sich Hindernisse überwinden, die Infrastruktur ist in vergleichsweise kurzer Zeit geschaffen, die Menschen erreichen ohne Stau schnell und komfortabel ihr Ziel und auch von der Kostenseite spricht alles für eine Seilbahn-Lösung. Allerdings sind Seilbahnen nicht in allen Städten DIE Lösung. Wir stehen für einen sinnvollen Einsatz und sehen nicht überall eine Seilbahn als „einzig richtige“ Lösung.

 

 

Über Hindernisse schweben:  Ob in London, Portland oder Caracas – Seilbahnen im urbanen Bereich sind vergleichsweise schnell errichtete innerstädtische Verbindungen, die Hindernisse überwinden.

DOPPELMAYR hat sich mit der D-Line eben wieder selbst getoppt. Was macht diese neue Entwicklung so stark?


Anton Schwendinger: Die D-Line ist die gelungene Kombination aus höchster Sicherheit, angenehmstem Komfort für die Gäste und schließlich auch gestärkt durch das wichtige Argument eines wirtschaftlichen Betriebes. Schließlich müssen unsere Kunden die Bahn zu vernünftigen Preisen betreiben können.


Thomas Pichler: Dabei zählt vor allem auch die Verlässlichkeit. Unsere Kunden wissen, dass DOPPELMAYR-Bahnen reibungslos funktionieren. Nicht erst im Betrieb sind wir ein verlässlicher Partner, sondern von der Planung über die Umsetzung bis hin zur Wartung. Wir verhindern teuere Stillstände oder gar Ausfälle durch unsere Qualitätsarbeit. Das wird hoch geschätzt.

 

 

Wie hoch liegt heute bereits der Produktions-Anteil bei urbanen Seilbahnen?

 

Anton Schwendinger: Wir rechnen heute bereits mit rund 25 Prozent Anteil an urbanen Seilbahnen und Bahnen als Zubringer für Attraktionen. Tendenz steigend. Das bedeutet für DOPPELMAYR auch große Aufträge, die wir gerne neben den alpinen Herausforderungen annehmen. Überall dort, wo die Infrastuktur nicht so schnell wachsen kann wie die Bevölkerungszahl, sind Seilbahnen eine perfekte Lösung. Vor allem bei den topographischen Voraussetzung südamerikanischer Städte. In La Paz haben innerhalb von drei Jahren 75 Millionen Menschen die Bahnen genutzt. Dabei ist das Seilbahn-Netz noch gar nicht voll ausgebaut.

 

Thomas Pichler: Es sind nicht allein grandiose verkehrsberuhigende Verbindungen wie beispielsweise in La Paz und andere städtische Seilbahnen. Wir verspüren seit Jahren eine stark wachsende Nachfrage nach Bahnen, die Sehenswürdigkeiten und andere touristische Attraktionen komfortabel erschließen. Vor allem führen in Südost-Asien immer mehr Bahnen zu Points of Interest. Ein hervorstechendes Beispiel ist Vietnam, wo wir bereits drei Seilbahnen mit Weltrekorden gebaut haben und zwei noch dieses Jahr fertig gestellt werden.

 

 

Ein Vorzeigebeispiel für den Einsatz von Seilbahnen als urbanes Verkehrsmittel ist das Seilbahn-Netz in La Paz, das in den vergangenen drei Jahren rund 75 Millionen Menschen genutzt haben. Ohne Wartezeit an den Stationen, sicher, barrierefrei, umweltfreundlich und kosteneffizient.

Und wie sehen Sie die Diskussion über urbane Seilbahnen in Europa?


Thomas Pichler: Da muss noch viel „Missionarsarbeit“ geleistet werden. Es gibt einige sehr gute Projekte. Vor allem dort, wo Hindernisse zu überwinden sind, ist der Einsatz einer Seilbahn sehr sinnvoll. Wichtig für eine positive Entwicklung ist, dass die Seilbahn künftig auch als förderbares Verkehrsmittel subventioniert wird, wie alle anderen öffentlichen Verkehrsmittel auch. Die Vorteile liegen auf der Hand. Beispielsweise die Möglichkeit, die Seilbahnen durch erneuerbare Energie zu betreiben. Seilbahnen sind als öffentlicher Nahverkehr – umgelegt auf die Nutzungsdauer – die nachhaltigste Art sich zu bewegen. Sie sind die sinnvoll-ste Ergänzung, die schnell mitwachsen kann. Die Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz macht die urbane Seilbahn zusätzlich interessant. ah