DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

Seilbahn-Wissen


Seilbahn ist nicht gleich Seilbahn

Seilbahnen können anhand ihrer Betriebsart, des verwendeten Seilsystems sowie der Anzahl der Seile bzw. der Antriebsart in unterschiedliche Bauweisen eingeteilt werden.

 

Durch diese Systematisierung ergibt sich eine Einteilung, die stark an die Taxonomie der biologischen Wissenschaften erinnert, wie Frieder Kremer in seinem Buch „Innovation Seilbahn“ betont. Es folgt ein Auszug aus seiner Publikation mit wenigen redaktionellen Änderungen (TU Berlin 2015: S. 31-35).

Taxonomie der Seilbahnbauweise Grafik: Kremer

 

Demnach besitzt jede Ordnung, Familie und Gattung von Seilbahnen ihre eigenen spezifischen Eigenschaften hinsichtlich der Beförderungskapazität, Kabinengröße, Fahrgeschwindigkeit und Windanfälligkeit sowie der Anzahl der Stützen und dem maximalen Abstand zwischen ihnen – der Spannfeldlänge. Diese werden im Folgenden genauer beschrieben.

Betriebsarten


Die Einteilung nach der Betriebsart erfolgt analog zu den gesetzlichen Grundlagen in Seilschwebebahnen und Standseilbahnen. Seilschwebebahnsysteme stellen lineare Punkt-zu-Punkt-Verbindungen auf kürzestem Wege zwischen zwei Stationen dar – der Start- und der Endstation.

 

In einer dieser Stationen ist der Antrieb für die gesamte Anlage integriert. Zwischen den Stationen ist mindestens ein Seil gespannt, an das die einzelnen Fahrzeuge – die Kabinen – gekuppelt sind. Dieses Seil wird durch Antrieb der Anlage bewegt.

 

Da es damit für Fortbewegung der Kabinen zuständig ist, wird es auch als Förderseil bezeichnet. Die Kabinen schweben entlang dieser vorgegebenen Trasse über die Ebene hinweg. Um einen sicheren Abstand zwischen Seil und Boden zu gewährleisten, kann die Distanz zwischen den beiden Stationen mithilfe von Stützen überbrückt werden.

 

Standseilbahnen werden ebenfalls mithilfe eines Zugseils angetrieben. Der Unterschied zu Seilschwebebahnen besteht jedoch darin, dass sie auf einem fest angeleg- ten Fahrweg verkehren somit nicht an lineare Verbindungen gebunden sind und mit bis zu 7.500 Personen pro Stunde und Richtung eine wesentlich höhere Förderleistung als Seilschwebebahnen aufweisen.

 

Die Fahrbahn kann sich einerseits sowohl ebenerdig als auch aufgeständert in der Ebene befinden, andererseits werden sie häufig auch unterirdisch eingesetzt.

 

Obwohl auch auf Standseilbahnen viele der nachfolgend besprochenen Vor- und Nachteile zutreffen, unterscheiden sie sich doch in mancherlei Hinsicht (Flächenverbrauch, multifunktionale Raumnutzung) nicht wesentlich von den konventionellen Verkehrsträgern.

Seilsystem

Seilschwebebahnen werden in Pendel- und Umlaufseilbahnen unterschieden. Bei Pendelbahnen verkehrt in der Regel je eine Kabine pro Richtung auf ein oder zwei Tragseilen. Die beiden Fahrzeuge verkehren zwischen den Stationen im Pendelbetrieb, weshalb der Ein- und Ausstieg nur bei haltenden Kabinen möglich ist.

 

Um einen effektiven Einsatz zu gewährleisten, ist es daher sinnvoll, bei diesem System möglichst große Fahrzeuge zu verwenden. Die Herstellerangaben für das Fassungsvermögen der einzelnen Kabinen liegen zur Zeit zwischen sechs und 200 Personen. Die Fahrgeschwindigkeit der Kabinen kann bis bis zu 12 m/s betragen.

 

 

Eine besondere Form der Umlaufseilbahn stellt das Funitel-System dar. Foto: Doppelmayr

 

 

Zusammen mit der Fahrbahnlänge bestimmen diese beiden Parameter die Gesamtbeförderungskapazität. Diese geben Seilbahnhersteller mit 500 bis 2.000 Personen pro Stunde und Richtung an.

 

Pendelbahnen können Spannfelder bis zu 3.000 Meter überbrücken. Sie eignen sich somit für kurze Distanzen mit einer geringen bis mittleren Beförderungskapazität. Als Sonderform der Pendelbahnen ist das von der Firma DOPPELMAYR patentierte Funifor-System zu nennen.

Dabei werden die einzelnen Fahrzeuge unabhängig voneinander angetrieben, was eine höhere Flexibilität bei der Benutzung der Fahrtrasse zulässt. Zudem zeichnet sich das Funifor-System aufgrund seiner breiten Fahrspur durch eine sehr hohe Windstabilität aus.

 

Umlaufseilbahnen gehören zu den Stetigförderern. In diesem System bewegen sich die Fahrzeuge also mit kontinuierlicher Geschwindigkeit in gleichbleibender Fahrtrichtung. Dabei sind die Kabinen an eine Schlaufe aus ein bis drei Seilen gekoppelt, wovon mindestens eines die Funktion des Förderseils übernimmt.

 

Für den problemlosen Ein- und Ausstieg werden die Kabinen beim Einfahren in die Station automatisch vom Förderseil abgekoppelt und auf eine angemessene Geschwindigkeit abgebremst. Anschließend werden sie wieder daran angekoppelt und auf Fahrgeschwindigkeit beschleunigt.

 

Bei Kabinengrößen von vier bis 35 Personen kann die Förderleistung bis zu 5.000 Passagiere pro Stunde betragen. Eine besondere Form der Umlaufseilbahn stellt das Funitel-System dar.

 

Die Kabinen werden hierbei durch ein in Dop- pelschlaufe gelegtes Förderseil bewegt. Pro Richtung verlaufen dadurch also jeweils zwei parallel verlaufende Seilstränge, die eine enorm hohe Windstabilität ermöglichen.

Seilanzahl

Bei Seilschwebebahnen wird zudem zwischen Einseil- und Mehrseilbahnen unterschieden. Einseilbahnen haben aufgrund der geringeren Vorspannung des Förderseils größere Durchhänge, weshalb sie mehr Stützen benötigen und damit mehr dem Geländeverlauf folgen.

 

Sie haben – wie der Name sagt – nur ein Seil, welches die Kabine trägt und zieht. Bei Mehrseilbahnen rollt die Kabine über fix montierte Tragseile, gezogen wird sie von einem umlaufenden Zugseil.

 

Zwei, Drei- und Vierseilbahnen verfügen dadurch über straffer gespannte Tragseile, was größere Spannfeldlängen und damit eine geringere Anzahl von Stützen ermöglicht.

Funktionsweise von Pendelseilbahnen Grafik: Kremer nach Monheim et al. 2010

Funktionsweise von Umlaufseilbahnen Grafik: Kremer nach Monheim et al. 2010