DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

Eine Stadt im Zwiespalt


Seid Jahren wird in Wuppertal über eine Seilbahn diskutiert
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Die Wuppertaler Schwebebahn ist weltbekannt. Am 1. März 1901 nahm sie ihren Betrieb auf. Seit einigen Jahren wird in der nordrhein-westfälischen Stadt diskutiert, ob zusätzlich zum bestehenden Verkehrsverbund eine Seilbahn gebaut werden soll.

Doch wie es aussieht, sind nicht alle mit diesem Projekt, das schon seit 2012 in den Schubladen des Rathauses Wuppertal liegt, einverstanden. Die Idee spaltet die Stadt regelrecht in zwei Lager, doch zunächst zu den Fakten: Geplant ist eine 2,8 Kilometer lange 3S-Umlauf-Seilbahn mit sechs Stützen, einer maximalen Höhe von 70 Metern sowie einer minimalen Höhe von 6 Metern.

 

3.500 Fahrgäste sollen pro Stunde in 44 Kabinen transportiert werden, das sind rund 17.000 Passagiere pro Werktag. An den Bergstationen soll ein Park & Ride Areal mit 130 Stellplätzen errichtet werden, geschätzter jährlicher Energieverbrauch: ca. 2,2 GWh.

 

Die Seilbahn würde vom Hauptbahnhof über das Universitätsgelände bis ins Schulzentrum Küllenhahn im Süden der Stadt führen. Studenten, Schüler, Berufstätige, aber auch Touristen sollen die zukünftigen Passagiere sein.

Seilbahn Pro & Contra


Die Stadt Wuppertal mit 350.000 Einwohnern hat das Projekt im Mai 2015 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt, doch seitdem steht das Ganze in der Schwebe. Beschlüsse werden immer wieder hinausgeschoben, obwohl die Argumente seitens der Stadt gut sind: Die Seilbahn sei umweltfreundlich und nachhaltig, unabhängig vom Restverkehr, sie könnte den bestehenden Verkehr durch die hohe Beförderungsgeschwindigkeit gut entlasten, es gäbe einen geringen Flächenbedarf, dafür aber eine hohe Verkehrssicherheit.

 

Zudem sei die Seilbahn barrierefrei, die Betriebskosten seien gering und somit bestens für die Stadt Wuppertal, die von großen Höhenunterschieden im inneren Stadtgebiet geprägt ist, geeignet. Die Stadt Wuppertal und die Stadtwerke (WSW mobil gmbH) haben eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben und die Ergebnisse haben die technische Machbarkeit bestätigt.

 

Auf der anderen Seite gibt es Gegner des geplanten Projektes, einer von ihnen ist Marc Gennat, Vereinsvorstand von der Bürgerinitiative „Seilbahnfreies Wuppertal“. Er erzählt, warum er gegen die Seilbahn ist: „Eine Seilbahn an und für sich ist ja nichts Schlimmes. Wenn ich Koblenz als Beispiel nehme, macht sie durchaus Sinn.

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Aber in Wuppertal verhält es sich um einiges anders! Hier gibt es keine großen Höhenunterschiede, sondern die Trasse würde einfach nur von A nach B führen.“ Weiters, erklärt der Seilbahngegner, würde es im Falle des Seilbahnbaues einige Streckenkürzungen im Busverkehr geben bzw. zu Taktverlängerungen kommen – für viele Menschen ein Nachteil.

Zudem sieht Gennat die durchgeführte Machbarkeitsstudie sehr kritisch, denn bei den Berechnungen wurden z.B. 365 Nutzungstage herangezogen. „Studenten“, betont Gennat, „sind nicht an fünf Tagen pro Woche an der Uni, zumal sie auch noch Ferien haben, ebenso wie die Schüler. Die tatsächlichen Zahlen sehen also ganz anders aus“.

 

Auch bei der Reisezeit sieht der Gegner eine Fehlerquelle: „Die Reisezeit der Seilbahn vom Hauptbahnhof zur Uni wird mit drei Minuten angegeben. Aber zunächst muss man ja mal zur Seilbahnstation kommen und dann wiederum von der Ausstiegsstelle zum Uni-Gebäude und das wäre nochmal ein Fußweg von sechs bis acht Minuten!“

 

Das Für und Wider ist also sehr komplex, und dann gibt es da noch jemanden, der eine total andere Sichtweise in das Thema bringt und die Entscheidung dadurch auch nicht leichter macht: Jörg Heynkes, ein Experte in Sachen Elektromobilität und künstlicher Intelligenz. Er sagt, dass eine Seilbahn in Wuppertal nicht viel Sinn hat.

 

Er ist überzeugt, dass das Ende des automobilen Zeitalters schon in Sicht sei. „In fünf bis zehn Jahren“, so seine Prophezeiung, „fahren auf Wuppertals Straßen nur noch 20.000 bis 30.000 statt der heutigen 200.000 Autos“.

 

Unterwegs sei man dann mit führerlosen Fahrzeugen, die man per Handy anruft und die einen abholen und dahin bringen, wo man eben gerade hin will. So gibt es verschiedene Meinungen, was letztendlich auch dazu beiträgt, dass sich das Projekt so enorm in die Länge zieht.

  • Streckenlänge: ca. 2.800 Meter

 

  • Höhenunterschied: ca. 165 Meter
  • 6 Stützen zwischen 42 m und 70 m Höhe
  • Höhe des Seiles, maximal: 70 m
  • Höhe des Seiles, minimal: 6 m (Uni)
  • Höhe im Mittel über Bebauung: 30–40 m
  • Seilbahnsystem: Dreiseilumlaufbahn
  • Kapazität: 3.500 Pers/Std und Richtung
  • Gut 17.000 Fahrgäste pro Werktagca. 44 Kabinen
  • Kabinenfolge: ca. 32 sec
  • Geschwindigkeit auf der Strecke: 7,5 m
  • Geringe Geschwindigkeitin den Stationen Barrierefreiheit
  • Fahrzeit Hbf – Uni: ca. 3 Min
  • Fahrzeit Hbf – Küllenhahn: ca. 9 Min
  • An der Bergstation P+R mitmind. 130 Stellplätzen und B+R
  • Jährlicher Energieverbrauch:ca 2,2 GWH

     

 

Standort Talstation wird geklärt


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Die letzte wichtige Sitzung des Stadtrates fand am 10. Juli statt. Ist etwa ein Ende in Sicht? „Jein“, sagt Holger Stephan von der WSW Wuppertaler Stadtwerke GmbH, „es muss jetzt noch eine bautechnische Lösung für die Talstation im Bereich des Hauptbahnhofs gefunden werden. Geplant ist der Standort dort, wo das jetzige Fundbüro steht. D.h. im Prinzip hängt das Vorhaben nun von der Bahn ab, der geplante Grundstückskauf wird sich aber mit Sicherheit über Monate hinwegziehen!“