DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

Bochum hat Potential


Sehnsucht nach Seilbahn wird immer größer
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Früher waren Seilbahnen im Ruhrgebiet nichts Außergewöhnliches. Sie wurden für den Kohletransport gebaut und eingesetzt. Heute überlegt man, ob man die alte Tradition wieder aufleben lassen soll. Nicht um Kohle zu transportieren, sondern um Kohle zu sparen und vor allem um den Nahverkehr zu entlasten.

Wenn es nach Volker Steude ginge, wäre der Fall schnell entschieden. Schon seit Jahren setzt sich der Ökonom und Vorstandsmitglied der parteilosen Wählergruppe „Die Stadtgestalter“ für eine Seilbahn in Bochum ein. Immer wieder kann man über von ihm organisierte Aktionen lesen oder hören. Der engagierte Politiker meint, dass die Uni-Stadt, in der 50.000 junge Menschen studieren, dringend ein neues Verkehrskonzept brauche, damit das tägliche Chaos in den hoffnungslos überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln bzw. auf den Straßen ein Ende hat.

 

„Schon 2014 haben wir die Idee gehabt, dass eine Seilbahn den Nahverkehr entlasten könnte“, erzählt Steude und meint weiter: „Bochum ist nicht gerade reich und der Öffentliche Verkehrsverbund ist nicht sehr gut ausgebaut. Der Vorteil bei uns ist, dass wir anders sind, denn im Ruhrgebiet, und auch in der Stadt Bochum gibt es viele unbebaute Flächen – das wäre ideal für eine bzw. mehrere Seilbahntrassen!“.

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Nach den Plänen der Stadtgestalter könnte der Nahverkehr durch drei Seilbahnstrecken optimiert werden. „Verbunden werden sollen in einem ersten Schritt die Ruhr-Uni mit dem geplanten Forschungscampus auf den ehemaligen Opelflächen und Langendreer sowie der Innenstadt. Linien zum Ruhrpark und zum Kemnader See sollen folgen“, schildert Steude. Im Rahmen dieser Überlegungen wurde von den Stadtgestaltern ein überschlägiger Kostenvergleich zwischen Seilbahn, Straßenbahn und U-Bahn/ Bus durchgeführt.

Es gibt vier große Probleme


Zu beachten waren vor allem vier großen Herausforderungen bzw. Probleme im Süd-Osten der Stadt: Problem Campuslinie U35: Immer mehr Studenten nutzen den Nahverkehr, die Züge sind zu den Stoßzeiten total überfüllt. Problem Nahverkehrsanbindung der Hochschule Bochum: Die Gehzeit von der Hochschule bis zur U35-Haltestelle beträgt knapp 10 Minuten.

 

Es gibt hier über 7.000 Studierende und rund 500 Beschäftigte; gäbe es an der Hochschule eine nähere, schnelle Nahverkehrsanbindung, würden deutlich mehr Menschen die „Öffis“ nutzen. Problem Anbindung Langendreer an RUB und Hochschule: Aufgrund der schlechten Anbindung wohnen hier nur wenig Studenten. „Studenten wollen da wohnen, wo sie schnell, in dichtem Takt und ohne Umsteigen zur Uni kommen“, betont Steude.

 

Problem Nahverkehrsanbindung zur ehemaligen Opelfläche, wo das neue Innovationsquartier entstehen soll: Professoren werden ihre Forschungseinrichtung dort nur einrichten, wenn man in maximal 10 Minuten ohne umzusteigen pendeln kann.

Bislang nur positive Reaktionen


In Bochum wird schon seit Jahren über das Verkehrsproblem diskutiert, eine greifbare Lösung scheint aber noch nicht in Sicht zu sein, und das obwohl die Reaktionen seitens der Bevölkerung, versichert Steude, sehr gut seien. „Wir haben von Anfang an die Öffentlichkeit stark mit einbezogen, z.B. über Facebook. Die positiven Kommentare beweisen das Interesse an einer Seilbahn. Die Leute fragen schon, wann es endlich soweit sei“, schildert Steude und meint, dass die Sehnsucht nach einer innovativen Verkehrslösung immer größer werde.

Neues wird erst mal abgelehnt
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Dass das Projekt nur schleppend vorankommt, erklärt Steude so: „Solche Entscheidungen hängen stark von den Politikern bzw. auch von den Verkehrsunternehmen ab. Viele können sich ein Transportmittel ohne vier Räder schwer vorstellen, so dass zunächst einmal jeder Veränderungsversuch abgelehnt wird.“

 

Eine Seilbahn für Bochum wäre eine gute Lösung, das hat das Ergebnis der Kosten-Vergleichsuntersuchung gezeigt: Eine U35-Verlängerung würde nichts zur Lösung der Probleme beitragen, es sei denn, die Verlängerung der U35 wird mit einem Bus-Projekt kombiniert.

 

Kosten: 170 Mio. Euro (für die Stadt rund 75 Mio. plus jährliche Kosten von ca. 13,7 Mio. Euro), dabei wird eine umsteigefreie Verbindung nicht erreicht.Die Seilbahn-Lösung ist um vieles attraktiver. Sie erfüllt nicht nur alle Anforderungen, sondern punktet auch noch mit einem 30-Sekunden-Takt und ihrer Schnelligkeit. Kosten: 150 Mio. Euro sowie eine Förderung seitens des Landes.

 

Jährliche Aufwendungen: ca. 3 Millionen Euro. Mit einem Ausbau des Straßenbahnnetzes könnte man die Verkehrsbedingungen in Bochum ebenso verbessern, allerdings wären Streckenverlängerungen bzw. neue Linien nötig, Kosten: ca. 90 Mio. Euro. Bei einer Förderung müssten 9 Millionen aus der Stadtkasse bezahlt werden. 3,87 Millionen Euro machen die jährlichen Kosten aus.

 

Vergleicht man die Varianten, so der Stadtgestalter, ist die Lösung U35 plus Bus um ein Vielfaches teurer ist als die zwei anderen Varianten. Seilbahn und Straßenbahn sind von den Kosten her fast gleich. Die Investitionskosten bei der Seilbahn sind zwar höher, würden sich aufgrund der geringen jährlichen Kosten aber bereits nach 7 Jahren wieder ausgleichen.

„Es wäre schön“, so Steude, „wenn wir in Bochum mit der Errichtung einer Seilbahn im urbanen Raum einen Damm brechen könnten. Ich denke, dann würden auch andere Städte unserem Beispiel folgen.“ bm

Volker Steude
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ist 48 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Töchter. Der Bochumer ist promovierter Ökonom und arbeitet als Unternehmensberater. Er ist politisch sehr engagiert, seit 2014 sitzt er als Ratsmitglied im Stadtrat Bochum. Zudem ist Steude Mitinitiator der parteilosen Wählergruppe „Die Stadtgestalter“. Steude sagt: „Potential hat Bochum genug, doch es muss genutzt werden. Aktuell wird von der Stadt eine Machbarkeitsstudie vorbereitet. Dabei wird sich sicherlich die Seilbahn als das vorteilhafteste Verkehrsmittel herausstellen.“