DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

Algerien


Poma ist ein starker Partner im größten Seilbahnland Afrikas
stadt

Algerien ist neben Südamerika das Epizentrum der urbanen Mobilität am Seil. In dem nordafrikanischen Land fahren seit Jahren zahlreiche urbane Seilbahnen. Mit der Gründung der Algerischen Seilbahngesellschaft ETAC ist ein Meilenstein gelungen – inklusive dem Bau zahlreicher weiterer Seilbahnen.

Die Seilbahn in Tlemcen verbindet die Innenstadt mit dem Plateau Lalla Setti.

Die „Algerian Transport Company by Cables“, kurz ETAC, besteht seit Dezember 2014 und bildet ein Joint Venture zwischen dem französischen Seilbahnhersteller POMA und dem Algerischen Staat, konkret der Enterprise of Algiers Metro (EMA) und der staatseigenen TRANSTEV-Gruppe. Die ETAC ist seit vier Jahren für Betrieb, Verwaltung und Wartung des bestehenden Seilbahnnetzes in Algerien verantwortlich.

Seilbahnen haben Tradition

Zudem soll die Seilbahngesellschaft laufend weitere Anlagen in Algerien evaluieren, planen und bauen. Schon jetzt ist die Anzahl an urbanen Seilbahnen beachtlich, da bereits zahlreiche Standseilbahnen, Pendel- und Umlaufbahnen in Städten wie Constantine, Tlmcen, Skikda, Annaba, Blida– Chréa und Oran errichtet wurden.

 

In der Hauptstadt Algier existiert sogar ein komplettes Seilbahnnetz mit nunmehr sechs Linien. Grund für die Seilbahnaffinität Algeriens sind die dichte Infrastruktur, die engen Straßen und die steile Topographie der großen Städte. 

In Algier führt eine Gondelbahn vom Stadtteil Bab-el-Oued zum höher gelegenen Dorf Zghara. Fotos: POMA

 

Die Seilbahnverbindungen überbrücken dort Hänge und verbinden die unteren Quartiere der Städte mit den mittleren und den oberen. Sie sorgen zudem dafür, dass der Straßenverkehr in der Stadt nicht noch mehr zunimmt.

 

Die schnelle und große Akzeptanz der Seilbahnen ist auf das hohe Verkehrsaufkommen und die Staus zurückzuführen, die die Städte lange Zeit charakterisiert haben.

Zwei neue Seilbahnen realisiert


Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass POMA kürzlich zwei weitere Seilbahnen in Algerien errichten durfte. In Algier verbindet nun eine Gondelbahn den Stadtteil Bab-el-Oued mit dem höher gelegenen Dorf Zghara.

 

Ab sofort ist der Vorort für alle 6,7 Millionen Einwohner der Hauptstadt erreichbar. Zudem ist die Anlage in das 19 Kilometer lange Seilbahnnetz der ETAC integriert und spielt somit eine effektive Rolle im öffentlichen Nahverkehr.

 

Für Komfort in den 66 Kabinen sorgt die nächtliche Beleuchtung. Ebenfalls eine neue Seilbahn erhielt die Stadt Tlemcen, die bereits über zwei Seilbahnen verfügt. Die 130.000-Einwohner-Stadt liegt mitten im Berbergebiet des zerklüfteten Tell-Atlas‘ und ist aufgrund seiner engen und verwinkelten Straßen besonders auf Seilbahnen angewiesen.

 

POMA durfte nun die Gondelbahn revitalisieren, welche vier Jahre lang außer Betrieb war. Die rundum modernisierte Anlage verbindet erneut die Innenstadt mit dem Plateau Lalla Setti und ist mit dem neu errichteten Busbahnhof „Yahia Bachir“ verbunden.

 

Die Inbetriebnahme der Seilbahn wurde von der Bevölkerung schon sehnsüchtig erwartet, da sie den Nahverkehr in der Touristenhochburg deutlich verbessert.

Weitere Seilbahnpläne


Doch Algerien scheint von urbanen Seilbahnen nicht genug zu bekommen. So sind etwa in den Städten Tizi Ouzou (bereits im Bau), Bejaia, Mediea, Beni Saf, Taref und Jijel Seilbahnen geplant – und auch in Constantine denkt man über den Bau einer zweiten Anlage nach.

 

Die Zahl urbaner Seilbahnen könnte somit auf 23 steigen. Starker Player in dieser Entwicklung ist – wie anfangs erwähnt – die Algerian Transport Company by Cables (ETAC). Das Joint Venture gehört zu 49 Prozent der Unternehmensgruppe POMA, zu 10 Prozent der Metro Company Algier (EMA) und zu 41 Prozent der staatseigenen TRANSTEV-Gruppe.

 

Die ETAC ist das Ergebnis einer starken Partnerschaft zwischen dem algerischen Staat und dem französischen Seilbahnhersteller und genießt die Unterstützung der Politik: Sowohl der algerische Premierminister Abdelmalek Sellal, als auch der französische Premierminister Manuel Valls waren bei der Unterzeichnung des Vertrages zugegen.

 

Seitdem stellt POMA technisches und operatives Know-how zur Verfügung und hat mehrere hundert Mitarbeiter ausgebildet – und wird dies auch weiterhin tun. „Wir von POMA sind stolz darauf, uns in Algerien dauerhaft niedergelassen zu haben, um das urbane Seilbahnnetz auszubauen“, sagt Unternehmensvorstand Jean Souchal.

 

Zwar sei POMA auch in New York, Kairo oder Miami tätig, doch Algerien sei ein wichtiger strategischer Schritt für das Wachstum des Seilbahnherstellers gewesen. „Wir errichten mittlerweile nicht nur Seilbahnen, sondern betreiben und warten sie auch 365 Tage im Jahr“, berichtet Souchal.

 

So ist die ETAC beispielsweise mit „Upilot“ ausgestattet, den Trainingssimulator von POMA. Mit dem Tool will ETAC 2019 15.000 Trainingsstunden absolvieren, 2018 hatte sie bereits 6.000 Trainingsstunden abgeliefert.

 

Doch nicht nur für POMA ist die Entwicklung in Algerien positiv. Bereits jetzt dient das Land als Inspirationsquelle für andere Staaten und zeigt, wie urbane Seilbahnen Verkehrsprobleme lösen können. ts

TC 10 Bab el Oued


Länge: 2.025 m
Höhenunterschied: 223 m
Fahrgeschwindigkeit: 5,5 m/s
Kapazität pro Richtung 2.400 P.
Anzahl Kabinen: 66
Kapazität Kabinen: je 10 P.

TC 10 Tlemcen


Länge: 1.698 m

Höhenunterschied: 231 m

Fahrgeschwindigkeit: 6 m/s

Kapazität pro Richtung 1.500 P.

Anzahl Kabinen: 36

Kapazität Kabinen: je 10 P.