DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

Urbane Seilbahnen


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Österreich ist mit 253 Seilbahnunternehmen überaus reich an alpinen Bergbahnen, urbane Seilbahnen gibt es aber noch keine. Doch auch im Mutterland der Bergbahnen findet zurzeit ein Umdenken statt. Zahlreiche Städte diskutieren über urbane Anlagen - in der Hauptstadt Wien sind sogar drei Seilbahnprojekte im Gespräch.

Im Mutterland der Bergbahnen entdecken sie das Potential urbaner Systeme


 

Dabei ist die Seilbahn auf den Kahlenberg das berühmteste Wiener Beispiel. Die Wirtschaftskammer Wien und der Seilbahnhersteller DOPPELMAYR planen eine sechs Kilometer lange Gondelbahn, die von der zentralen UBahn Haltestation „Heiligenstadt“ entlang der Donau über die Mittelstation Strebersdorf auf den städtischen Aussichtspunkt Kahlenberg führt. Die von DOPPELMAYR erarbeitete Machbarkeitsstudie geht von 63 Gondeln aus, bei Bedarf ist eine Aufstockung auf 94 Zehnerkabinen möglich.

 

Bis zu 1.800 Personen könnte die urbane Seilbahn pro Stunde transportieren. DOPPELMAYR rechnet aufgrund von Erfahrungswerten anderer Stadtseilbahnprojekte mit jährlich 600.000 Besuchern. Für die Fahrzeit wurden 19 Minuten berechnet. „Das schafft man weder mit den Öffis noch mit dem privaten Pkw“, argumentiert Michael Bitterl von DOPPELMAYR.

 

Josef Bitzinger von der Wirtschaftskammer Wien führt noch weitere Vorteile ins Feld: „Die Seilbahn auf den Kahlenberg wäre mit Sicherheit ein Tourismusmagnet, mit Null-Emission, geräuscharm und barrierefrei.“ Zudem würde die Seilbahn den Kahlenberg und die angrenzenden Stadtviertel verkehrstechnisch entlasten, hinzu komme der Spaß- und Panoramafaktor. Die rein private Finanzierung des 45 Millionen teuren Projektes ist bereits gesichert, das Konzept einreichfähig - nur das politische Okay fehlt noch.

Stadtseilbahn an der Donau


 

Weniger den Touristen als vielmehr den Einwohnern soll dagegen eine Seilbahn entlang des Donauufers dienen. Die Seilbahn soll mehrere U-Bahn- und Schnellbahnhöfe, Stadtviertel und Industriegebiete miteinander verbinden. „Eine öffentliche Verbindung an dieser Strecke wäre längst fällig“, erklärt Stadtpolitikerin Gerda Müller. Eine Seilbahn könnte die akuten Verkehrsprobleme entschärfen, insbesondere weil Parkmöglichkeiten für Pendler vorgesehen sind.

 

„Eine Seilbahn kann schnell errichtet werden, ist wesentlich kostengünstiger als der Bau einer U-Bahn, und sie ist umweltfreundlich“, erklärt Müller die weiteren Vorteile einer urbanen Seilbahn. Zurzeit prüft die Stadt mit Rückendeckung der Politik die Idee auf ihre Machbarkeit. Falls es grünes Licht gibt, könnte die Seilbahn innerhalb von nur drei bis sechs Monaten errichtet werden.

Kabinen in Planetenform sind für die Stadtseilbahn in Linz geplant. Foto: Kepllerforum Linz

Verbindung zu Uni und U-Bahn


 

Noch in der Ideenphase befindet sich eine Seilbahn über das Otto-Wagner-Areal im Westen von Wien. Ab 2025 soll auf dem Gelände des ehemaligen Otto-Wagner-Krankenhauses ein Stadtviertel mit Universitäten und Forschungseinrichtungen entstehen - welches erschlossen werden will.


Stadtpolitiker fordern eine 4,6 Kilometer lange Gondelbahn, die innerhalb von 17 Minuten zwei U-Bahn- und Schnellbahnstationen sowie mehrere Straßenblöcke miteinander verbindet. 2.000 Personen soll die 70 Millionen Euro teure Bahn pro Stunde befördern können. „Das entspricht 40 Bussen“, sagt Stadtpolitiker Wolfgang Gerold.

 

Die Wiener sollen das Verkehrsmittel mit einer herkömmlichen Öffi-Netzkarte nutzen können, für Touristen sind hochpreisigere Fahrkarten im Gespräch. Der Bau einer U-Bahn sei dagegen sowohl kosten- als auch kapazitätsmäßig unverhältnismäßig, betont Gerold.

Planetenseilbahn in Linz


 

Eine ganz spezielle Seilbahn wird derweil in Linz geplant. Zu Ehren des Astronomen Johannes Kepler hat das Keplerforum Linz eine Stadtseilbahn konzipiert, deren Kabinen in Planeten-optik gestaltet sind. Die Seilbahn soll zentrale Kultureinrichtungen und Knotenpunkte an der Donau miteinander verbinden und zugleich zur Lösung des Parkplatzproblems am Linzer Schlossberg beitragen.


Der Kostenrahmen liegt bei 50 Millionen Euro. Davon sollen ungefähr 30 Prozent, also 15 Millionen Euro privat finanziert sein,. „Die Erfahrung in Linz zeigt, dass eine Planetenseilbahn schneller privat gebaut ist, als eine Brücke aus der öffentlichen Hand“, sagt Initiator Dionys Lehner. Zum Kepler-Jubiläum 2018 wollen die Planer alle Genehmigungen in der Tasche haben. ts