DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

Mobilitätskonzept Graz - Eine österreichische Stadt stellt sich auf die Zukunft ein


In Graz hofft man auf eine Verkehrswende. Mehr E-Mobilität und ein gestärkter öffentlicher Verkehr stehen dabei im Raum. Damit diese Ziele auch erreicht werden können, wiegt man in der steirischen Hauptstadt alle Möglichkeiten genau ab.

Wolfgang Malik von der Holding Graz stellt die urbanen Konzepte der Stadt Graz vor. Foto: SI/MAIR

 

 

Die größte Herausforderung bei der Planung eines neuen Mobilitätskonzeptes findet sich gleich zu Beginn des Projektes. Denn die historisch gewachsenen Räume lassen nicht ein jedes Konzept zu. Platzmangel, verbaute Gebiete mit hohen Nutzungskonflikten oder Mangel an Grundstücksverfügbarkeit sorgen dafür, dass jede Möglichkeit bedacht und Vor- und Nachteile genauestens gegeneinander abgewogen werden müssen.

 

Auch die zweitgrößte Stadt Österreichs stand 2010 vor genau diesen Problemen. Was wollen wir? Was brauchen wir? Und natürlich am Allerwichtigsten Was ist überhaupt möglich?

 

Um alle derzeitigen und noch kommenden Verkehrsprobleme gleich frühzeitig zu beheben, hat der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl eine konkrete Idee. Egal ob Bus, Gondel, U-Bahn oder Schiff, jedes Verkehrsmittel hat seine Vorteile und wenn man heute für die Verkehrsanforderungen von morgen bauen will, kann man nicht einfach auf eine mögliche Transportart verzichten.

 

Wieso also nicht ein Verkehrskonzept entwickeln, welches alle derzeitigen öffentlichen Verkehrslösungen beinhaltet. Vor 20 Jahren wurde bereits einmal die Idee einer U-Bahn in Graz vorgebracht, welche den Osten und den Westen der Stadt verbinden sollte.

 

Im neuen Projekt möchte man diese Idee noch einmal genauer beleuchten. Der Grund, warum die U-Bahn Idee nicht weiter verfolgt wurde, hat mehrere Gründe, wobei man sich noch nicht sicher ist, ob bereits alle lösbar sind, deshalb ist es auch vorstellbar aus der Idee der Untergrundbahn eine Metro Light zu entwickeln.

Graz wächst, doch wohin?


Die Landeshauptstadt der Steiermark gilt als beliebte und lebenswerte Stadt, aus diesem Grund wächst sie auch immer weiter und die Straßen werden merklich immer voller. Es gibt keinen Platz für Bus-, Straßenbahnoder Radstreifen und der Umstieg auf E-Mobilität verbessert zwar die Luftqualität, nicht jedoch das Verkehrsaufkommen auf den Straßen.

 

Um die Lebensqualität zu erhalten und die Infrastruktur noch weiter auszubauen bleibt also nichts anderes übrig als auf sogenannte alternative Verkehrsmittel zu setzen. Eine Möglichkeit, die man deshalb ins Auge gefasst hat, ist die vermehrte Nutzung des Wasserweges. Durch die Einbindung einer Schiffslinie in das öffentliche Verkehrsnetz erhofft man sich, neben einer Entlastung der Hauptverkehrswege, auch ein zusätzliches Angebot bei Touristen zu schaffen.

Flussnutzung mal anders


Doch nicht nur auf diese Weise hofft man den Wasserweg neu zu erschließen, die Vision von Siegfried Nagl sieht außerdem eine Seilbahn über die Mur vor. Urbane Seilbahnen sind in Europa noch rar und aus diesem Grund gibt es auch noch einige Vorbehalte gegenüber den leistungsstarken und wandelbaren Anlagen.

 

Die größte Sorge der Einwohner liegt in der Wahrung der Privatsphäre. Wenn stündlich bis zu 3.000 Menschen über die Gärten und Häuser hinwegfliegen nicht ohne Grund. Mit der Streckenwahl entlang der Mur könnten diese kritischen Stimmen aber leicht beruhigt werden. Damit eine Gondelverbindung vom Norden der Stadt bis nach Puntigam verwirklicht werden kann würden ungefähr 100 Millionen Euro benötigt werden, so die Schätzung von Verkehrsexperten Kurt Fallast von der TU Graz.

 

Dieser gibt zu bedenken, dass auch der normale KFZ-Verkehr einiges an öffentlichen Geldern verbraucht. Weiters weist Fallast darauf hin, dass es eine deutliche Erleichterung für die Pendler wäre einfach am Weinzödl Parkplatz einzusteigen und bis zum Andreas Hofer-Platz zu gondeln. Aufgrund der geografischen Gegebenheiten in Graz besitzt die Stadt auch eine der höchsten Feinstaubbelastungen Österreichs.

 

Die angedachte Gondelanlage könnte hier eine erhebliche Erleichterung bringen. Bei der Stadtseilbahn handelt es sich um eine sogenannte Dreiseilumlaufbahn mit einer Gesamtlänge von ca. 11 km, einer Förderkapazität von 3.000 Personen in der Stunde und 11 Stationen.

 

Außerdem würde eine Seilbahntrasse einige weitere Vorteile bringen: Die Umwelteingriffe wären gering, da keine Veränderung der Mur-Böschung nötig ist. Aufgrund der gewählten Linienführung über die Mur wäre auch die Anrainerbelästigung kein Thema und wegen der wenigen nötigen Stützen wäre der Bauaufwand gering wodurch das Projekt rasch abgewickelt werden könnte.

 

Bürgermeister Nagel ist sich sicher, dass Bus und Straßenbahn bald an ihre Grenzen stoßen und so bleiben zwei einfach Möglichkeiten: in die Luft oder unter die Erde. Zum Bau der U-Bahn sowie der Seilbahn wurde in Graz eine eigene Gesellschaft gegründet. Diese soll unter anderem die Machbarkeit verschiedener Verkehrslösungen bezüglich öffentlichen Verkehrs aufzeigen. tm

Grafiken: Zatran