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Jerusalem: Mit der Seilbahn zur Klagemauer


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Die israelische Regierung hat grünes Licht für den umstrittenen Bau einer Seilbahn zwischen der Altstadt in Ost-Jerusalem und dem Westteil der Stadt gegeben. Die Seilbahn soll von einer Station im Westen Jerusalems 1,4 Kilometer weit in die Altstadt nahe der Klagemauer führen und ab dem Jahr 2021 stündlich 3.000 Passagiere befördern. 130.000 Menschen besuchen pro Woche die Klagemauer. Ab 2021 sollen diese auch mit der Seilbahn anreisen können. (Foto: Fotolia/lucky-photo)

Vergangenes Jahr hatte die Regierung bereits die erste Phase des umgerechnet 43 Millionen Euro teuren Bauvorhabens gebilligt. „Die Seilbahn wird Jerusalems Gesicht verändern und Touristen und Besuchern einen leichten und bequemen Zugang zur Klagemauer bieten“, begrüßte der israelische Tourismusminister Jariv Levin die nunmehr zweite Entscheidung für die Seilbahn. Für die Infrastruktur Jerusalems wäre die Seilbahn jedenfalls ein Gewinn.

 

Denn die 40 Gondeln für je zehn Passagiere werden 3.000 Menschen pro Stunde befördern können. Der Transport würde laut Levin barrierefrei ablaufen, sodass auch körperlich beeinträchtigte Menschen ohne Probleme in die Jerusalemer Altstadt gelangen könnten. Vier Stationen sind geplant, konkret der Bahnhof, die HaMefaked Street, der Mount Zion und die Station Western Wall. Der Preis einer Seilbahnfahrt soll dem üblichen Busfahrpreis entsprechen. Die Verantwortlichen rechnen mit 130.000 Fahrgästen pro Woche, die mit „umweltfreundlicher“ Energie transportiert werden sollen.

Bau der Seilbahn umstritten


 

Doch die Seilbahn zieht – wie zahlreiche weitere Infrastrukturprojekte in Ost-Jerusalem – harsche Kritik der Palästinenser wie auch der internationalen Gemeinschaft nach sich. Einige Kritiker aus dem palästinensischen Lager fürchten, dass dadurch die israelische Prägung Jerusalems noch größer werden könnte. Andere erwarten durch den Bau eine illegale Enteignungswelle.

 

„Das führt dazu, dass Jerusalem zu einer Art biblischer Walt-Disney-Themenpark wird“, kritisiert Daniel Seidman, ein langjähriger Gegner des Projekts. Die israelischen Behörden machen dagegen geltend, dass die Seilbahn angesichts der vielen Besucher den Zugang zur Klagemauer – die heiligste Stätte des Judentums – erleichtern wird: Für Juden, Araber und Touristen.

 

Derzeit sind die Zufahrtswege zu den heiligen Stätten aufgrund der topographischen Struktur der Altstadt eng, steil und überlastet, was es praktisch unmöglich macht, die bestehenden Routen zu erweitern oder zusätzliche Straßen zu pflastern. Deswegen kämpft das Tourismusministerium bereits mehr als zehn jahre lang für eine Seilbahn.