DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

Varanasi


Mit den richtigen Plänen aus der Krise

In Varanasi stehen Verkehrsstaus an der Tagesordnung. Nun hat die Regierung beschlossen ernsthaft dagegen vorzugehen und lässt unterschiedliche Pläne zur Lösung des Problems untersuchen. Die beiden Favoriten derzeit sind ein weitverzweigtes Straßenbahnnetz oder ein Seilbahnsystem.

Die indischen Stadt Varanasi liegt im Bundesstaat Uttar und gilt als die spirituelle Hauptstadt des Landes. Unzählige Pilger kommen jedes Jahr in die heilige Stadt, um im Wasser des Ganges zu baden oder einen der etwa 2.000 Tempel zu besuchen.

 

Neben seiner spirituellen Bedeutung zählt die Stadt auch zu einer der ältesten Indiens. Bis ins 11. Jh. v. Chr. lässt sich ihre Geschichte zurückverfolgen. So beeindruckend die Stadt auch ist, die gewundenen historischen Straßen sind nicht geeignet für die 1,2 Millionen Einwohner (Stand 2011) und die zahlreichen Besucher.

 

Gerade während der täglichen Stoßzeiten ist deshalb mit langen Wartezeiten zu rechnen. Die Regierung will nun gegen dieses Problem vorgehen und plant ein neues Verkehrskonzept für die Stadt.

RITES (Rail India Technical and Economic Services)

ist ein indisches Unternehmen welches sich mit Beratung, Planung, Bau und Betrieb von Verkehrsanlagen beschäftigt. Die Firma wurde 1974 als Unternehmen der Indian Railways gegründet und befindet sich in Staatseigentum.

 

RITES beschäftigt sich vor allem (aber nicht ausschließlich) außerhalb Indiens mit der städtischen Verkehrsplanung.

Zwei Systeme für ein Problem


Das Ministerium für Stadtentwicklung will in dieser Situation nicht nur auf ein Mobilitätssystem, sondern gleich auf zwei setzen. Eine Kombination aus Seilbahn und Straßenbahn soll in Varanasi in Zukunft die Straßen entlasten. Das indische Unternehmen RITES wurde damit beauftragt eine geeignete Strecke, sowie die nötigen Haltestellen für beide Systeme zu finden.

 

Direkt nach Fertigstellung dieses Aktionsplanes wurde das ausgearbeitete Konzept vom Unternehmen vor- gestellt. Dieses sah vor, die Straßenbahn beziehungsweise die Seilbahn am Standrand entlangzuführen und die Altstadt Pakka Mahal nicht direkt zu durch- oder überfahren.

 

Die hohen Kosten für das Light Metro Netzwerk waren jedoch der ausschlaggebende Grund die derzeitigen Bemühungen im Straßenverkehr auf eine Seilbahn zu fokussieren. Die seilgezogene Transportlösung ist laut Angaben eines Regierungs- sprechers um fast 70 Prozent günstiger als das geplante Straßenbahnnetz.

 

In dieser Entscheidung bestärkt wurde man in der Stadt außerdem durch den Vorschlag von Verkehrsminister Nitin Gadkari, welcher Städten und Gemeinden in den Bergen Seilbahnsysteme als Transportlösung ans Herz legte.

Seilbahn für Varanasi

Während in Indien Seilbahnen derzeit vermehrt noch als Touristenattraktion genutzt werden, möchte man in der Tempelstadt dem Vorbild aus Städ- ten wie La Paz oder Bogotá folgen. Ein weitverzweigtes Seilbahnnetz soll da- bei das tägliche Pendeln erleichtern.

 

Besonders Umlaufsysteme eignen sich, aufgrund der geringen Warte- zeiten und der hohen Förderkapazität, besonders für den Einsatz im urbanen Raum. Nachdem nun die Entscheidung zugunsten der Seilbahn getroffen scheint, wurde das indische Verkehr- splanungsbüro erneut kontaktiert, um einen Verkehrsplan auszuarbei- ten.

 

 

Die Regierung in Varanasi plant eine Verkehrslösung nach dem Vorbild La Paz oder wie hier auf dem Bild, Bogotá. Ein urbanes Seilbahnnetz soll so das tägliche Pendeln in der Großstadt erleichtern. Foto: DOPPELMAYR

 

 

 

Dieses mal soll die Seilbahn den zentralen Knotenpunkt in Varanasi darstellen und durch Mini-Metro und weitere Systeme unterstützt werden. Bei RITES hat man bereits erste Ideen für mögliche Verkehrsrouten. Neben dicht besiedelten Gebieten wird die Möglichkeit geprüft, den elf Kilometer langen Varuna-Korridor (eine Flussenge im Stadtgebiet Varanasi) in das Mobilitätskonzept zu integrieren.

 

Dabei soll ein etwa sieben Kilometer langer Abschnitt des Flusses Varuna für einen öffentlichen Wassertransport genutzt werden können. Das System soll außerdem zukunftstauglich sein, weshalb die Verantwortlichen von RITES mit den Stadtverwaltungen von Dehradun, Vishakhapatnam und Kanpur im Gespräch sind.

 

Indem man sich mit den umliegenden Provinzen bereits während der Planungsphase abstimmt will man das Verkehrssystem schon jetzt gegen mögliche Überlastungen schützen.

 

Details zu der Länge des Seilbahnnetzes, der genauen Nutzung des Wasserweges und den unterstützen- den Wasserwegen sind derzeit aber noch nicht öffentlich. Die nächste Präsentation des Varanasi Verkehrsplans ist derzeit mit 25. Juni festgelegt. tm