DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN
Luftseilbahn oder Standseilbahn?

Seilbahn ist nicht gleich Seilbahn. Zwischen Seilschwebe- und Standseilbahnen liegen Welten. Politiker, Verkehrsplaner und Stadtarchitekten stehen dabei vor der buchstäblichen Entschei- dung zwischen Himmel und Erde.

 

Die Seilbahn hat ihren Namen daher, dass ihre Kabinen oder Wagen von einem Seil bewegt werden. Als „Fahrbahn“ kommen im urbanen Transport in der Luft gespannte Seile, Gleise oder Luftkissen zum Einsatz. In anderen Einsatzbe- reichen gibt es als Fahrbahnen noch Schnee (Schlepplifte für Skifahrer) oder Wasser (seilgezogene Fährschi e).

Luftseilbahnen (wie hier in berlin, deutschland) werden meist als einseilumlaufbahnen konzipiert. Foto: LEITNER ropeways

Standseilbahnen sind optimal verfügbar

Bei der Entscheidung, ob Seil oder Schiene als Fahrbahn ist der verfügbare Platz zu berücksichtigen. Standseilbahnen benötigen eine durchgehende Trasse für die Glleise. Bei Standseilbahnen im Pendelbetrieb wird in- sofern Platz gespart, als dass die Strecke eingleisig geführt wird – mit Ausnahme jener Stelle, an der sich die Fahrzeuge begegnen („Abt‘sche Ausweiche“).

 

Der Bau von Standseilbahnen ist fast überall möglich: In Städten, auf dem Land oder im Berggebiet. Kurven und Änderungen im Gefälle bewältigt dieses Bahnsystem problemlos. Die Standseilbahn kann mit Zwischenstationen ausgestattet werden und eignet sich damit als öffentliches Verkehrsmittel.

Standseilbahnen (wie hier in Ti is, Georgien) benötigen eine durch- gehende trasse für die gleise. Foto: DOPPELMAYR

 

Dank der bodennahen Führung zeichnet sich die Standseilbahn bei allen Witterungsbedingungen durch eine optimale Verfügbarkeit aus und überzeugt zudem durch eine lange Lebensdauer von rund 40 Jahren und moderate Unterhaltskosten.

 

Nebst den Zügen mit Fahrbegleitern sind heute vollautomatisierte Standseilbahnen äußerst zuverlässig und bieten dem Betreiber zusätzliche wirtschaftliche Vorteile. Standseilbahnen können durch ihren hohen Imagewert für den Betreiber einen wichtigen Marketingfaktor darstellen.

Standseilbahnen haben die höchste Förderleistung


Die Fahrzeuge – in der Regel zwei, oder in Ausnahmefällen auch nur eines – prägen das Erscheinungsbild der Standseil- bahn. Die Wagen oder Wagenkompositionen sind je nach Bedürfnis und Kundenwunsch in verschiedensten Designs und Größen realisierbar und bewegen sich mit ihren gefe- derten Drehgestellen oder Einzelrad-Fahrwerken auf den Schienen.

 

Ein großes Plus der Standseilbahn ist die Möglichkeit des Materialtransports – sei es mit einem separaten Vorstellwagen oder einer an den Wagen angebauten Mate- rialplattform. Die Wagen können mit einem automatischen Niveauausgleich versehen werden und bieten so für Fahrgäste mit Rollstühlen, Kinderwagen, Fahrrädern etc. auf der ganzen Strecke einen waagrechten Fahrzeugboden.

 

Wagen und Wagenkompositionen von Standseilbahnen haben ein Fassungsvermögen von bis zu mehreren hundert Personen. Die Bahnen erreichen mit Fahrgeschwindigkeiten bis 14 m/s sehr hohe Transportleistungen mit bis zu 8.000 Personen pro Stunde.

Die Luftseilbahn braucht wenig Platz

Der Vorteil von Luftseilbahnen im Gegensatz zu Standseilbahnen ist die dritte Dimension. Bereits bei der Entstehung schaffen Luftseilbahnen Vorteile, die gerade in eng bebauten urbanen Gebieten sehr wichtig sein können. Stützen und Stationen beanspruchen verhältnismäßig wenig Platz und die Bahnen fügen sich optimal in das Stadtbild ein.

 

Zudem genießen die Passagiere während der Fahrt eine einzigartige Aussicht. Dies verleiht einer Seilbahn auch immer eine touristische Komponente und schafft eine zusätzliche Einnahmequelle.

bei Standseilbahnen im Pendelbetrieb wird die Strecke eingleisig geführt wird – mit Ausnahme jener Stelle, an der sich die Fahrzeuge begegnen („Abt‘sche Ausweiche“). Foto: DOPPELMAYR

 

Nicht zuletzt können Luftseilbahnen im Gegensatz zu Standseilbahnen schwebend Hindernisse überqueren. Beide Seilbahntypen besitzen den Vorteil der exklusiven Fahrbahn, es gibt keine Kollision mit anderen Verkehrsteilnehmern.

 

Dies garantiert gleichmäßige Fahrtzeiten, da die Bahn nicht vom Verkehr auf der Straße beeinträchtigt wird. Die Fahrgäste werden kontinuierlich befördert – ohne Fahrplan und Wartezeiten.

Luftseilbahn bietet Alternativen


Luftseilbahnen erbringen je nach Ausführung ebenfalls hohe Förderleistungen. Kleinkabinen fassen bis zu 17 Personen, Großkabinen bis zu 200 Menschen. Die Förderleistung liegt bei bis zu 6.000 Menschen pro Stunde – abhängig von der Betriebsart (Umlauf- oder Pendelbetrieb) und dem System (Einseil- oder Mehrseilbahnen).

 

Beim Umlaufbetrieb bildet das Seil mit der bewegenden Funktion eine endlose, über große Scheiben gelenkte Schleife, die sich immer in dieselbe Richtung bewegt. Bei dieser Betriebsart fahren viele Kabinen oder Wagen hintereinander am Seil „aufgefädelt“ auf der einen Seite hin und auf der Gegenseite wieder zurück.

 

Bei der klassischen pendelbahn verkehren ein oder zwei Fahrzeuge bestehend aus Laufwerk, Gehänge und Kabine im Pendelverkehr zwischen den Stationen. Als Variante gibt es noch die Gruppenpendelbahn, die anstelle von zwei großen Kabinen, zwei Gruppen von kleinen Kabinen hat, welche direkt hintereinander am Seil befestigt sind.

Bei Luftseilbahnen wird zudem zwischen Einseil- und Mehrseilbahnen unterschieden. einseilbahnen haben aufgrund der geringeren Vorspannung des Förderseils größere Durchhänge, weshalb sie mehr Stützen benötigen und damit mehr dem Geländeverlauf folgen.

 

Sie haben – wie der Name sagt – nur ein Seil, welches die Kabine trägt und zieht. Bei Mehrseilbahnen rollt die Kabine über x montierte Tragseile, gezogen wird sie von einem umlaufenden Zugseil. Zwei-, Drei- und Vierseilbahnen verfügen dadurch über stra er gespannte Tragseile, was größere Spann- feldlängen und damit eine geringere Anzahl von Stützen ermöglicht.

 

 

Luftseilbahnen können (wie hier in bozen, italien) auch als Mehrseilbahn konzipiert sein. Foto: LEITNER ropeways

 

Während Einseilbahnen in der Regel günstiger sind, garantieren Mehrseilbahnen eine erhöhte Windstabilität und können sehr große Spannfelder von über 2.500 Metern überwinden. Damit eignen sie sich optimal für den Einsatz im steilen und ausgesetzten Gelände.

 

Auch die Förderleistungen sind mit 6.000 Personen pro Stunde in der Regel höher als bei einer Einseilumlaufbahn (bis zu 4.500 Personen pro Stunde). ts