DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

Interview mit Jean Souchal von POMA


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Jean Souchal, Vorstandsvorsitzender von Poma, spricht mit Si Urban über innerstädtische Seilbahnbeförderung – ein Herzstück des französischen Herstellers...

POMA ist gegenwärtig mit an der Spitze der innerstädtischen Seilbahn-Lösungen. Was macht das Unternehmen Ihrer Meinung nach zum Vorreiter?

 

JS: POMA hat 2016 sein 80-jähriges Jubiläum gefeiert. Als das Unternehmen gegründet wurde, ging es eher um Wintersport und Schnee, jedoch schauten wir über die Landesgrenzen hinaus. Wir hatten ein offenes Ohr für die Veränderungen in der Welt. So baute POMA im Jahr 2004 in Medellin, Kolumbien die erste urbane Seilbahn.

 

 

Medellin gilt als Vorzeige-Projekt für die Lösung urbaner Mobilitäts-Probleme.


JS: Die Stadt Medellin wurde 2013 zur „Innovationsreichsten Stadt des Jahres“ gewählt. Vor allem wegen seiner Schwebebahn. Die Stadt war weltweit eine der ersten Kommunen, die sich für eine Schwebebahnen entschieden haben, um den innerstädtischen Transport weiterzuentwickeln. So sind sie zu Vorreitern geworden und haben mit bestem Beispiel gezeigt, wie man dank dem Einsatz von urbanen Seilbahnen eine nachhaltige innerstädtische Mobilität entwickeln kann.

 

Die Mobilität der Bevölkerungen ist zu einem großen Problem für die Städte der Zukunft geworden, und Medellin hat dies vor allen Anderen verstanden. So wurden sie Wegbereiter für die beste Alternative, nämlich die Seilbahn in den intermodalen Transport mit einzubeziehen. Innerhalb von 13 Jahren haben wir nunmehr fünf Seilbahnlinien gebaut, von denen die vierte eben in Betrieb genommen wurde und die fünfte dieses Jahr fertiggestellt werden wird. Jeden Monat werden mehreren Millionen Fahrgäste mit den Seilbahnen von POMA über die Straßen und Staus hinweg befördert, um sicher an ihren Arbeitsplatz aber auch zu ihrem Freizeitvergnügen zu kommen.

 

 

 

POMA-Seilbahn in Medelin. Foto: POMA

Können Sie uns einige Zahlen zu den Anlagen von Medellin nennen?


JS: Das Ziel war, ein zuverlässiges Transportmittel zur Verfügung zu stellen, das einerseits 365 Tage im Jahr verfügbar, andererseits nachhaltig sein würde. Bislang haben wir fünf Schwebebahnen mit einer Gesamtlänge von 11,9 km, 16 Stationen und 360 Kabinen gebaut. Mit der Verfügbarkeit von über 99,5 % hat POMA nachgewiesen, dass seine Schwebebahnen imstande sind, an 365 Tagen im Jahr wie alle anderen Massentransportmittel zu funktionieren, und zwar vollkommen sicher und mit hoher Zuverlässigkeit.

 

Der innerstädtische Transport mittels Schwebebahn ist in Europa im Vergleich zu Südamerika noch wenig entwickelt. Wie ist das zu erklären?


JS: Das stimmt. Nach Medellin sind es Rio (Brasilien), New York (USA), Zacatecas (Mexiko), Oruro (Bolivien), Santo Domingo (Dominikanische Republik), Santiago (Chile), Nischni Nowgorod (Russland), Algier et Tizi Ouzou (Algerien) sowie andere Städte der Welt, die sich in Richtung innerstädtischen Seilbahntransports orientieren. Wir haben zunehmend mehr innerstädtische Schwebe- und Seilbahnen gebaut.

 

In Europa und insbesondere in Frankreich waren der gesetzliche Rahmen und die üblichen Transportwege die Haupthindernisse. Wir bemerken jetzt jedoch eine Entwicklung in der richtigen Richtung. Sowohl die Gesetze als auch die Wahrnehmung der innerstädtischen Seilbahnen als beste Ergänzung im öffentlichen Verkehr entwickelte sich stark weiter. Mittlerweile löst der Seilbahntransport Begeisterung aus, insbesondere in Frankreich, wo zunehmend mehr Städte diese Lösung anstreben.

 

 

 

POMA-Seilbahn in Mendelin. Foto: POMA

Wenn wir schon von Frankreich sprechen: Wann wird POMA dort die erste inner- städtische Steilbahn errichten?


JS: Die SMTC Tisséo (Gesellschaft für öffentlichen Verkehr in Toulouse) beauftragte kürzlich die POMA-Gruppe, welcher die französischen Unternehmen POMA, ALTISERVICE, BOUYGUES TP RF, SYSTRA, SEQUENCES und SETI angehören, mit dem Bauprojekt der künftigen innerstädtischen Seilbahn Süd des Ballungsgebiets von Toulouse.

 

Die Inbetriebnahme ist für Anfang 2020 vorgesehen. Wir dürfen eine 3S-Bahn verwirklichen, die sich aus einer Entfernung von drei Kilometern schalten lässt und drei Stationen bedient. Es wird auch die längste innerstädtische Seilbahn Frankreichs sein, die eine große Bedeutung in dieser Region haben wird. Damit werden wir auch in Europa eindrücklich beweisen, wie perfekt die Alternative Seilbahn im urbanen Bereich ist. Seilbahnen haben Zukunft. Sie sind eine gute Antwort auf urbane Verkehrsprobleme. Deshalb werden sich urbane Seilbahnlösungen auch in Europa durchsetzen.