DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

Das Internet der Dinge (englisch Internet of Things, Kurzform: IoT) ist ein Sammelbegriff für Technologien, die physische und virtuelle Gegenstände miteinander vernetzen und sie durch Informations- und Kommunikationstechniken zusammenarbeiten lassen.

 

IoT bietet auch für urbane Seilbahnen ein weites Feld von Anwendungsmöglichkeiten, insbesondere für Sicherheit, Wartung, Steuerung und Werbung. „Grundlage für die Anwendung von IoT bei urbanen Seilbahnen ist eine eigene Infrastruktur, mit der Dinge geortet werden können“, erklärt Kamran Kiafar vom Telekommunikations- und Verkehrstelematikkonzern KAPSCH.

 

 

Mit Iot ist es wohl bald möglich, die Fahrgeschwindigkeit automatisch an die Auslastung der Bahn anzupassen. Foto: DOPPELMAYR

 

Die Daten von Kabinen, Seilbahnteilen, Stützen, Wetterstationen, Kameras, Steuerungen oder Monitoren würden dafür über Datenpunkte eines autarken, eigenständigen Netzwerks miteinander vernetzt.

 

„Alle gewonnenen Informationen gehen einerseits an den Betreiber, andererseits an vernetzte Gegenstände, sodass automatische Prozesse möglich sind“, erklärt Kiafar.

Bewegungsmuster


Ein Anwendungsfeld sei das Bewegungsmuster der Fahrgäste. Durch Kameras und Zutrittssysteme lasse sich die Auslastung der Bahn automatisch feststellen. „Durch IoT fahren Bahnen bei starker Auslastung automatisch schneller, während bei geringer Auslastung, die Mitarbeiter informiert werden, überschüssige Kabinen auszuhängen“, schildert Kiafar ein mögliches Szenario.

Predictive Maintenance

IoT könne aber auch für die Wartung von Anlagen und Fahrzeugen eingesetzt werden. „Sensoren auf Bauteilen liefern permanent Zustandsdaten und warnen Betreiber sowie Hersteller vor künftigen Schäden oder Serviceintervallen, etwa "In zwei Wochen gehe ich kaputt", erläutert Kiafar.

 

Auch hier seien automatische Prozesse möglich, indem sich ein Gegenstand selbst sein eigenes Ersatzteil bestellt und dies auch dokumentiert. „Die Klemme meldet‚ "Klemme getauscht", beschreibt es der Experte. Die großen Seilbahnhersteller und Steuerungslieferanten würden bereits an solchen Serviceleistungen forschen.

Sicherheit


Werbung lokaler Geschäfte in den Seilbahnkabinen - Iot machts möglich. Foto: POMA

 

Während die beiden ersten Anwendungsbeispiele noch nahe Zukunftsmusik sind, befindet sich IoT bei Notfall-Info-Systemen bereits im Stadium der Marktreife. „Wir von KAPSCH haben ein intelligentes Gondel-System, kurz IGS, entwickelt, das im Notfall autark und automatisch die Gäste in den Kabinen informiert“, berichtet Kiafar.

 

Anders als derzeitige Systeme greife das IGS nicht auf die Steuerung der Seilbahn zu, sondern funktioniere eigenständig über das Internet. „Unser Bauteil, der Ressort Manager, agiert autark und redundant auch bei Aus- fall von Strom, Server, WLAN oder Funknetz.“

 

Selbst wenn alles gleichzeitig „tot“ wäre, kann das IGS mit vorab gespeicherten Szenarien die Fahrgäste informieren. Selbstverständlich sei das manuelle Einsprechen pro Kabine oder für die ganze Bahn bei bestehendem Netz jederzeit möglich.

 

„Der Bahnbetreiber kann die Fahrgäste über Betriebsstörungen, Bergungen oder Vorgehensweisen im Notfall selbst informieren“, erläutert der Experte. Die „Live“-Oberäche des IGS ermögliche zudem das Gegensprechen, um mit den Fahrgästen direkt zu kommunizieren.

„Hier schafft das IGS Rechtssicherheit, da es Wetter und Anlagedaten, sowie die Kommunikation dokumentiert“, sagt Kiafar. Für noch mehr Sicherheit soll ab heuer die Erweiterung auf Bildüberwachung sorgen.

 

„Die mit dem IGS verbundenen Kameras machen alle fünf Minuten ein Bild. So wissen die Betreiber über die Situationen in allen Kabinen Bescheid – ohne durch Videos enorme Datenmengen zu produzieren“, führt der Key Account Manager von KAPSCH weiter aus. Die Hardware des IGS, der Ressort-Manager, könne zusätzlich auch in andere städtische Infrastrukturen, wie etwa Busse, U- Bahnen, Fähren oder Infosäulen, integriert werden.

 

intelligente gondelsysteme informieren die gäste autark und automatisch. Foto: BMF

Werbung und Serviceinformationen


 

Mittels IoT könnten Betreiber aber nicht nur Notfall-Informationen vermitteln, sondern auch Servicemeldungen und Werbung kommunizieren. „Dazu werden Streckenpunkte definiert, bei denen örtlich passende Infos und Werbung ausgesendet werden“, berichtet der Experte. Zeit- oder Kalendergesteuerte Werbung ist bei diesen Triggerpunkten ebenfalls möglich. „Mit dem IGS als Marketing-Tool werden urbane Seilbahnen nanziell noch attraktivere Verkehrsmittel, als sie es im Vergleich zu anderen Transportsystemen eh schon sind“, so Kiafar.

Steuerung von Licht und Wärme


„Da die Betreiber auf das IGS eingreifen können und das System ausbaufähig ist, kann es auch für die Steuerung genutzt werden“, stößt der Experte ein weiteres Thema an. So könnte IoT in den Kabinen Temperatur- und Lichtabhängig Sitzheizung und Beleuchtung lenken, indem es programmierte Befehle befolgt oder Informationen von Sensoren erhält.

 

„Sobald ein gewisser Temperaturpunkt unterschritten wird, läuft die Sitzpolsterheizung. Und ab einer gewissen Uhrzeit geht automatisch das Kabinenlicht an“, schließt Kiafar mit zwei Beispielen. ts