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Heiner Monheim: Seilbahnen werden in der Stadt nur aus der Not heraus gebaut


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In solchen Situationen fällt Stadtplanern und Politikern plötzlich ein, dass eine Seilbahn DIE Lösung sei, so Verkehrsexperte Heiner Monheim. Seit Jahren kämpft er schon mit viel Leidenschaft in Städten für sanfte Mobilität, damit das Leben lebenswert ist. „Bis jetzt ist es doch so“, betont Monheim, „dass es einen plötzlichen Anlass gibt und dann wird schnell eine Seilbahn hingestellt!“

Bevor aber über Alternativen nachgedacht werde, so Monheim weiter, würden herkömmliche Verkehrsmittel wie z.B. ein zusätzlicher Bus, in Betracht gezogen, um das Problem zu lösen. „Doch auch ein Bus fährt auf der Straße“, stellt Monheim fest und weiter: „Also wird eine Seilbahn aus der plötzlichen Not heraus gebaut“. Warum den Planern dieses so umweltfreundliche Verkehrsmittel immer erst in letzter Sekunde einfällt, kann der Experte erklären: „Das Problem ist, dass eine Seilbahn eine Konkurrenz zum bestehenden Verkehrsverbund darstellt.

 

Deswegen gibt es immer erst mal eine Abwehrhaltung. Vor 10 Jahren bin ich übrigens in Deutschland noch wegen meiner Ideen ausgelacht worden.“ Inzwischen hat zwar schon ein Umdenken stattgefunden und tatsächlich wurde auch schon das eine oder andere Projekt realisiert. Aber doch noch immer mit dem Motiv einer Veranstaltungs- Seilbahn im Hintergrund. Monheim nennt das Beispiel Hannover: „Im Jahr 2000 fand hier die EXPO statt.

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Eine Seilbahn wurde auf- und nach fünf Monaten wieder abgebaut!“ Die Seilbahn verband den Nordwestzipfel des Expo-Geländes mit der Südostecke auf insgesamt 2,9 Kilometern. Die Stützen waren bis zu 50 Meter hoch, die Kabinen – insgesamt 136 Stück – boten jeweils sieben Personen Platz. Die Seilbahn kostete rund 25 Millionen Mark. Am 31. Oktober 2000 schloss die EXPO ihre Pforten wieder und die Seilbahn verschwand auf Nimmerwiedersehen.

Koblenzer behalten ihre Seilbahn
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Ein weiteres nur temporär angedachtes Projekt, erzählt Monheim, sei die Seilbahn in Koblenz. Auch hier stand eine Veranstaltung bevor. Die Bundesgartenschau (BUGA) im Jahre 2011 sorgte dafür, dass die Seilbahn, die noch heute in Betrieb ist, in 14-monatiger Bauzeit installiert wurde. Nach der BUGA sollte die Seilbahn wieder abgebaut werden – das forderten damals Denkmalpfleger der UNESCO.

Dank tausenden von Menschen, die für den Erhalt der Seilbahn gekämpft haben, darf sie nun bis 2026 fahren. Die Koblenzer Seilbahn ist nicht nur für den Tourismus extrem wichtig geworden, sondern hat sich auch zu einem innerstädtischen Verkehrsmittel entwickelt, da es die Altstadt mit dem Festungsplateau, auf dem sehr viele Veranstaltungen stattfinden, verbindet.

 

Ein weiteres Not-Projekt, so Monheim, sei die Kölner Seilbahn. Eine Erlebnisbahn, die für die Bundesgartenschau geplant wurde. „Die mag ich eigentlich nicht“, meint der Verkehrsexperte bedauernd, „denn eigentlich hätte sie so viel mehr Aufgaben bzw. Anschlüsse haben können. Köln hatte damals nur wenig Brücken, die Innenstadt-Situation ist schwierig.

 

Die Stadt hätte mehrere Seilbahnen gebraucht!“ In Frankreich, schildert er, denken die Verkehrsplaner anders. Da gäbe es integrative Ansätze was die Stadterneuerung betrifft. Außerdem investiert die Wirtschaft durch eigene Abgaben in den Nahverkehr, so dass man schneller Beschlüsse durchsetzen könne und somit schneller an Geld käme.

 

„Deutschland“, stellt Monheim lakonisch fest, „ist ja ein Entwicklungsland. Hier haben die Ingenieure das Sagen!“ Die Liste lässt sich noch fortsetzen: Hamburg (Seilbahn zum Stage-Theater über die Elbe: Projekt gestorben), Berlin (in erster Linie Veranstaltungsbahn), Bonn (seit Jahren Diskussionen).

 

„Um Ungläubige zu missionieren“, so Monheim, „müsse man vorführen, wie es gehen könnte“ und wendet sich einmal mehr an die Seilbahnunternehmer, doch für Präferenz-Projekte zu sorgen, aber auch die Politiker und Anrainer müssen umdenken. „Europa wache auf!“, fordert Monheim vehement. bm