DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

Guayaquil - Die Seilbahn „Aerovia" von Poma ist bald die neue Lebensader der Stadt

Während weltweit über urbane Seilbahnen diskutiert wird, ist Guayaquil schon einen großen Schritt weiter. In der ecuadorianischen Großstadt entsteht derzeit eine Seilbahn, die zwei Städte miteinander verbindet, einen Fluss überquert und das Stadtzentrum erschließt. Der französische Seilbahnhersteller POMA hat dazu ein gelungenes Finanzierungskonzept vorgelegt.

Ab Frühjahr 2020 verbindet die Seilbahn „Aerovia“ die Nachbarstadt Duran mit der größten Stadt Ecuadors, indem sie parallel zur überlasteten Brücke, den Fluss Río Guayas überquert. Anschließend erschließt die insgesamt 4,1 Kilometer lange Einseilumlaufbahn wichtige Stadtviertel im Zentrum von Guayaquil.

 

„Die Seilbahn ist eine Erweiterung und eine Alternative zum Busnetz und wird voraussichtlich 40.000 Menschen pro Tag transportieren“, berichtet Guillaume Ployon, Sales Manager von POMA für Lateinamerika.

 

Zum Vergleich: Das Bus-Netzwerk von Duran transportieren rund 150.000 Menschen pro Tag. 17 Minuten dauert eine Seilbahnfahrt von der ersten bis zur letzten Station, der Bus benötigt in Spitzenzeiten 45 Minuten für die gleiche Strecke. „Die Seilbahn erhöht die Lebensqualität der Bewohner erheblich“, so Ployon.

 

Da Guyanquil, wie viele lateinamerikanische Städte, stark wächst (zurzeit rund 2,3 Millionen Einwohner), sei eine Verkehrslösung, die Gebäude, Flüsse und Straßen überquert, ideal.

 

„In Guyanquil haben wir ein ähnlich flaches Seilfeld wie bei der Seilbahn in Santo Domingo. Beide Städte beweisen, dass Seilbahnen auch für flaches Gelände mit Hindernissen geeignet sind“, betont Ployon.

Stationen bilden soziale Zentren

154 Kabinen für je 10 Personen sorgen für eine Förderleistung von 2.600 Personen pro Stunde und Richtung. Die Seilbahn ist mit fünf Metern pro Sekunde unterwegs – eine schnellere Geschwindigkeit ist durch die geringe Entfernung zwischen den Stationen nicht nötig. Die fünf Seilbahnstationen sind als mehrstöckige Gebäude konzipiert und beeinhalten Restaurants, Banken und andere soziale Einrichtungen – Umsteigemöglichkeiten zum Busnetz inklusive.

„Die Stationen werden somit zu sozialen Zentren in den Stadtvierteln, die Seilbahn fungiert als neue Lebensader der Stadt“, sagt Ployon. Zudem sei der touristische Faktor der Seilbahn über den Dächern der Stadt sowie über den Fluten des Río Guayas nicht zu unterschätzen – und das bei geringem Flächenverbrauch. Denn die Seilbahn benötigt nur Platz für die fünf Stationen, sowie für die 27 Stützen, von denen sich sieben im breiten Flussdelta des Río Guayas befinden.

POMA als Betreiber der Bahn

Finanziert wird das 134 Millionen US-Dollar teure Projekt durch ein gelungenes Finanzierungsmodell. Die gesamten Projektkosten werden von der Stadt durch ein langfristiges Darlehen der Agence Française de Développement (AFD) finanziert, während 15 Prozent vom privaten Sektor getragen werden“, sagt Ployon. Das nachhaltige öffentliche Verkehrsprojekt kommt der städtischen Gemeinschaft mit Ticketpreisen von nur 70 Cent zugute. Neben dem Bau ist Konzessionsgesellschaft POMA-SOFRATESA für Betrieb und Wartung der Seilbahn für die nächsten 28 Jahre verantwortlich. ts

Rund 70 Prozent der Seilbahn sind bereits montiert, die Eröffnung der „Aerovia“ ist im Frühjahr 2020 geplant. Fotos: POMA

Pfeiler mit stabilen Untergrund


Gebaut wird seit 2018, die Eröffnung ist im Frühjahr 2020 geplant. „Wir bewegen uns also im üblichen Rahmen eines zweijährigen Projektes, trotz der zahlreichen Herausforderungen“, berichtet Ployon. Besonders der weiche Untergrund im Flussdelta sowie die Gezeiten erschweren den Bau. Stationen und Stützen stehen daher auf mehreren hundert Stelzen, die bis zu 40 Meter in den Boden gerammt werden. „Hier helfen uns lokale Baufirmen, die viel Erfahrung mit den örtlichen Begebenheiten besitzten“, sagt Ployon. Während POMA für die Seilbahntechnik zuständig ist, kümmert sich die Firma SOFRATESA um die übrige Infrastruktur (Fundamente, Gebäude etc.).

Guillaume Ployon, POMA-Sales Manager Latin America:

„Das Projekt„ Aerovia“ ist Teil der nachhaltigen Stadtentwicklung der Stadt Guayaquil. Um den nachhaltigen Ansatz zu unterstützen, der im Mittelpunkt ihrer Strategie steht, hat die Kreditförderbank Agence Française de Developpement (AFD) 85 Prozent der Projektinvestitionskosten finanziert. Der Rest sowie die Betriebs- und Wartungskosten für die nächsten 28 Jahre werden von der Konzessionsgesellschaft übernommen, die aus POMA und unserem lokalen Partner SOFRATESA besteht.“

AEROVIA DURAN – GUAYQUIL


  • Förderleistung 2.600 P/h/Richtung
  • Länge 4,1 km Fahrgeschwindigkeit 5 m/s
  • Fahrtzeit insgesamt 17 min.
  • Stationen 5
  • Stützen 27
  • Kabinen 154
  • Kapazität der Kabinen 10 P.
  • Investitionssumme 134 Mio. US-$
  • Inbetriebnahme 2020