DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

Frankfurt


Gleich mehrere Seilbahnpläne in der Metropolenregion

Ob der Rhein-Main-Verkehrsverbund, die Stadt Frankfurt, der Hochtaunuskreis oder der Regionalverband Frankfurt / Rhein- Main – zahlreiche Interessensgruppen können sich mittlerweile urbane Seilbahnen in der Metropolregion Frankfurt vorstellen. Gleich mehrere Trassen sind im Gespräch.

Foto: Adobe Stock

Denn Seilbahnen könnten eine praktikable Antwort auf die Dauerstaus rund um die Pendlerhauptstadt Frankfurt und die drohenden Fahrverbote für Dieselautos im Rhein-Main-Ballungsraum sein.

 

Am Stadtrand der Mainmetropole sollen den Plänen zufolge große Parkhäuser gebaut werden, von denen aus Pendler in luftiger Höhe zu Haltestellen von U-Bahnen und Straßenbahnen gebracht werden. Um die Machbarkeit zu untersuchen, hat der Initiator der Diskussion, Thomas Horn, die Hochschule Darmstadt beauftragt, bis zum Sommer 2019 Konzepte zu erarbeiten und Vorschläge für eine Referenzstrecke zu machen.

 

„Wir brauchen neue Lösungsmodelle, die auch schnell zu realisieren sind“, begründet der Direktor des Regionalverbands Frankfurt/ Rhein-Main seinen Vorstoß gegenüber der Zeitung „Main-Spitze“.

 

Für die Studie verantwortlich ist Professor Jürgen Follmann, der von den Möglichkeiten einer Seilbahnverbindung schwärmt, die sowohl Pendler- als auch Freizeitverkehre bedienen könne. Sie tauge auch als „Zwischentechnologie“ um akute Verkehrsengpässe bis zur Fertigstellung neuer Schienenwege zu überbrücken.

Die Pläne im Überblick

Eine Seilbahnstrecke könnte beispielsweise im Süden Frankfurts zwischen dem Waldstadion und dem S-Bahnhof Stresemannallee entstehen. Fußballfans und Berufspendler würden sich gleichermaßen freuen.

 

Der Parkplatz liegt direkt an einer Bundesstraße. Derzeit können 1.250 Autos dort abgestellt werden. Ein Parkhaus würde zusätzlich Raum schaffen. Denkbar ist auch, die Seilbahn am Main entlang bis zum Kaiserlei- Areal an der Stadtgrenze zu Offenbach weiterzuführen, wo eine große Multifunktionsarena geplant ist.

 

Ein Verlauf entlang des Mains hätte darüber hinaus hohen touristischen Wert, wegen des Blicks auf die Skyline, sagte Verkehrsexperte Follmann der Online- Zeitung „Merkurist“.

Die Seilbahn in Koblenz dient vielen Projekten in und um Frankfurt als Vorbild. Foto: Skyglide Event Deutschland GmbH

 

Eine Seilbahn für ein weiteres Stadion bringt Grünen-Politiker Thomas Schlimme ins Gespräch: Demnach soll der Magistrat prüfen, ob eine Seilbahn von der S-Bahn-Haltestelle „Frankfurt- Höchst Farbwerke“ zur Fraport Arena (Ballsporthalle) gelegt werden könnte.

 

Das berichtet die Frankfurter Neue Presse. Diese kurze Strecke, Luftlinie 300 Meter quer über die Gleise, wäre mit einer Seilbahn günstiger zu überbauen als mit einer Brücke, ist Schlimme überzeugt. Bislang müssen die Besucher der Fraport Arena mehr als einen Kilometer Umweg laufen.

 

Auch eine Anbindung von Ortschaften in Richtung Taunus sei laut Follmann möglich. Pendler, die über die Autobahn nach Frankfurt fahren, könnten ihr Auto außerhalb des Stadtgebiets bei der Raststation Taunusblick abstellen und mit einer Seilbahn über anderthalb Kilometer zur U-Bahn-Station Heerstraße gebracht werden – und in einer Viertelstunde die Konstablerwache in der Stadtmitte erreichen.

 

Der Landrat des benachbarten Hochtaunuskreises, Ulrich Krebs, wünscht sich eine Seilbahn über den Feldberg – mit Endhaltestellen in Schmitten und an der Hohemark – nicht nur aus touristischen Gründen. Er hält sie für eine sinnvolle Ergänzung des Öffentlichen Personennahverkehrs.

Seilbahnpläne frankfurt


Waldstadion – Stresemannallee –
Offenbach
Frankfurt-Höchst – Fraport Arena
Taunusblick – Heerstraße
Schmitten – Feldberg – Hohemark
Neu-Isenburg: Nord – Süd

Seilbahn schwebt über den Dingen


Auch in Neu-Isenburg, einem Vorort von Frankfurt, wird über eine Seilbahn über die Innenstadt diskutiert. Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, plant der erste Stadtrat Stefan Schmitt eine zwei Kilometer lange Seilbahn über die „Frankfurter Straße“.

 

Die Trasse würde an einer Straßenbahnhaltestelle beginnen und vom nördlichen Ortseingang zur südlichen Stadtgrenze führen. Eine Seilbahn sei vorteilhaft, meint Schmitt, weil sie nur wenig Platz brauche.

 

Die Stützen müssten nicht „alle paar Meter platziert werden“. Und Platz sei auf der stark frequentierten Frankfurter Straße das große Thema. Seit Jahrzehnten werde über die Verlängerung der Straßenbahnlinie diskutiert.

 

Aber der Straßenraum sei nicht breit genug für Tram, Autos, Fußgänger, Radfahrer, Bäume, Busse, Parkplätze, Aufenthaltsqualität und Andienung der Geschäfte.

Fazit


Die Vorzüge all dieser Pläne für die Befürworter: Sie sind vergleichsweise schnell und preiswert zu realisieren. Während Planung und Bau von Schienenverbindungen mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen, ließe sich eine Seilbahn-Verbindung vermutlich zu einem Bruchteil der Kosten in wenigen Jahren realisieren.

 

„Wenn eine Schienenstrecke geplant wird, erlebt das der Planer nicht mehr“, so Befürworter Horn. Eine Seilbahn sei dagegen nach der Genehmigung in weniger als zwei Jahren realisierbar. Natürlich seien S- und U-Bahnen leistungsfähiger, aber als Baustein im Mobilitätskonzept sei eine Seilbahn durchaus sinnvoll.

 

Wo Schienen zu lange brauchen oder nicht realisierbar seien, könnten Seilbahnen die Lücken füllen. Bedenken wegen Lärm oder Eingriffen in die Landschaft haben weder Follmann noch Horn. Seilbahnen seien sehr leise Transportmittel, versichern beide.

 

Mit einer entsprechenden Konstruktion bedürfe es nur weniger Masten, versichert Follmann. „Wenn man die geschickt positioniert, haben wir keine Beeinträchtigung.“ Lediglich die Möglichkeit, aus der Bahn in Fenster privater Wohnräume zu blicken, stimmt beide noch skeptisch.

 

Die Privatsphäre der Menschen unter der Seilbahn müsse natürlich gewahrt bleiben. Das sicherzustellen sei zentraler Punkt der Planung. Die erste Seilbahn soll in fünf Jahren fahren! ts