DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

Eine Seilbahn spart Geld


Über die finanziellen Vorteile urbaner Seilbahnsysteme
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Urbane Seilbahnen gelten vielerorts als exotische und teure Verkehrslösung. Dabei haben sie zahlreiche finanziellen Vorteile – und sind meist günstiger als klassische Transportmittel.

Der Energieverbrauch einer Seilbahn kann an die Anzahl der Passagiere angepasst werden, indem in nachfragearmen Zeiten Kabinen ausgehängt und garagiert werden. Foto: Bergbahnen Sölden

Seilbahnen weisen im Vergleich zu anderen Verkehrssystemen relativ geringe Investitions- und Betriebskosten auf. Eine Seilbahn kostet maximal die Häfte im Vergleich zu einer Straßenbahn und maximal ein Zentel im Vergleich zu einer U-Bahn. „Ein Kilometer Metro kosten um die 250 Millionen Euro. Eine Seilbahn kostet dagegen nur um die acht Millionen Euro pro Kilometer“, erklärt Harry Wagner, Professor für Automotive & Mobility Management an der Technischen Hochschule Ingolstadt.

 

„Für dieselben 250 Millionen Euro könnten Städteplaner zwar ein Straßenbahnnetz mit jeweils fünf parallelen Linien im Abstand von 500 Metern auf einer Fläche von zwei Quadratkilometern aufbauen. Mehr ist wegen der teuren Grundstückskäufe, Baukosten für Fahrwege, Oberleitung, Betriebshofanlagen und Fahrzeuge aber nicht möglich“, stößt Guenter Ecker, Leiter des „Avoid Bad Carbon Dixoide Emissions-Instituts“ ins gleiche Horn. Laut seiner Rechnung könnten Städteplaner für dieselbe Geldmenge ein schachbrettartiges Netzwerk mit 13 Seilbahn-Linien in Nord-Süd-Richtung und 13 Seilbahn-Linien in West-Ost-Richtung samt Zwischenstationen errichten.

 

Die im 500 Meter Abstand installierten Linien würden somit sechs Quadratkilometer aufschließen und mit 8-Personen-Gondeln je Richtung bis zu 37.500 Personen pro Stunde befördern können. Zusammengefasst bekommen Verkehrsplaner mit Seilbahnen mehr Flächenerschließung für das gleiche Geld. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, da für den nötigen Umstieg vom Auto zum öffentlichen Verkehr gerade die flächendeckende Erschließung notwendig wird.

Kurze Bauzeit
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Vor allem die kurze Bauzeit urbaner Seilbahnen durch die modulare Bauweise drückt die Kosten nach unten. „Eine Seilbahn steht innerhalb von zwei Jahren inklusive oberirdischer Stationen und Projektierung“, sagt Wagner. So wurde die Einseilumlaufbahn GD8 Narikala in der georgischen Hauptstadt Tiflis vom Seilbahnhersteller LEITNER ropeways in nur einem Jahr realisiert. Zudem benötigen Stützen und Stationen vergleichsweise wenig Platz. Kostentreiber, wie Grundstückskäufe sowie Lärm-, Platz- und stauintensive Baustellen, entfallen.

Eine Seilbahnline benötigt weniger Personal als etwa eine Straßenbahn- oder Busstrecke. Foto: Doppelmayr

Geringe Betriebskosten


Nicht nur der Bau von urbanen Seilbahnen ist vergleichsweise günstig, auch die Kosten für den Betrieb sind dank energieeffizienter Antriebe und wartungsarmer Technik gering. Dank dem sehr guten Verhältnis von Nutzlast (Passagier) zum Eigengewicht der Anlage benötigen Seilbahnen weniger Energie pro Person und Kilometer wie beispielsweise Busse oder Straßenbahnen.

 

„Moderne Seilbahnen, wie etwa in Koblenz, verbrauchen bei einer Transportleistung von 3.600 Personen pro Stunde und Richtung nur 0,1 Kilowattstunden (kWh). Zum Vergleich: Ein Haartrockner verbraucht in fünf Minuten dieselbe Energie“, heißt es in der Broschüre des Seilbahnherstellers DOPPELMAYR. Außerdem dient der Motor beim Bremsen als Generator zur Energierückgewinnung. Der Energieverbrauch kann an die Anzahl der Passagiere angepasst werden, indem in nachfragearmen Zeiten Kabinen ausgehängt und garagiert werden.

Wenig Personal nötig


Nichtzuletzt benötigt der Betrieb einer Seilbahnline weniger Personal als etwa eine Straßenbahn- oder Busstrecke. Geht man wie Ecker von der üblichen Förderleistung von 3.600 Personen pro Stunde im Zehn-Sekunden-Abstand einer kuppelbaren Einseil-Umlaufgondelbahn aus, so müsste eine Straßenbahn mit 290 Sitz- und Stehplätzen im Abstand von knapp fünf Minuten fahren oder ein Großraum-Zwei-Gelenksbus mit 145 Sitz- und Stehplätzen alle zweieinhalb Minuten.

 

„Für eine zwei Mal zehn Kilometer lange doppelgleisige Strecke und 20 Kilometern pro Stunde sind bei der Straßenbahn bei diesem zeitlichen Abstand rund zwölf Fahrzeuge und Fahrer nötig und beim Großraumbus rund 25 Fahrzeuge und Fahrer. Eine vollautomatisierte Gondelbahn kommt dagegen mit nur fünf Personen aus“, erklärt Egger. Der Betrieb einer Gondelbahn läuft vollautomatisiert, Fahrer sind nicht nötig.

 

Bei größeren Pendelbahnen fährt (je nach den unterschiedlichen gesetzlichen Vorschriften) ein Fahrer mit. Für eine Linie sind laut Ecker pro Schicht drei bis fünf Personen nötig, plus (je nach den unterschiedlichen gesetzlichen Vorschriften) null bis zwei Personen pro Haltestelle. Zusammengefasst sparen urbane Seilbahnen den Städten Zeit, Geld und Personal – und müssen den Vergleich mit anderen Verkehrsmitteln nicht scheuen. Das Gegenteil ist der Fall. ts