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Jordanien


Eine Seilbahn gegen Arbeitslosigkeit

Die Einführung von Seilbahnen in der jordanischen Stadt Ajloun wurde seit 2015 wiederholt vom Investment Komitee JIC diskutiert. Dieses Jahr sollen nun endlich konkrete Pläne für die Finanzierung und den Bau der langerwarteten Anlage vorliegen.

 

Ajloun ist als Wander– und Erholungsgebiet der Region bekannt. Die Berge bieten ein abwechslungsreiches Sportangebot und die bekannte Burgruine Ajloun Castle lockt jedes Jahr viele kulturbegeisterte Touristen an.

 

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Der Blick auf die Stadt Ajloun von der Burg Ajloun aus. Foto: Daniel Case, CC BY 3.0 de

 

Lokale Statistiken zeigen jedoch auch, dass die hügelige Stadt im Norden Jordaniens über eine hohe Arbeitslosigkeit verfügt, welche etwa fünf Prozent über dem nationalen Durchschnitt liegt. Wenn es nach den Mitgliedern der JIC geht, soll in Zukunft eine Seilbahn dieser Entwicklung entgegen wirken.

 

Als „Business Enabler“ die geplante Anlage wirken, die vom Herzen der Ajloun Entwicklungszone starten soll und so die mehr als 5.000 Haushalte mit geringem Einkommen besser an die Angebote des Stadtzentrums anbinden soll.

 

Bilal Qudah, ein Mitglied der JIC sagt außerdem, dass die Seilbahn an sich nicht notwendigerweise rentabel sein muss, sondern nur die Funktion erfüllt, die Umgebung für Touristen attraktiver zu gestalten, um so die dortige Wirtschaft besser anzukurbeln.

 

Das Seilbahnprojekt wird von vielen als Lösung für ein schwerwiegendes Problem gesehen. „Die Einführung der Seilbahnen wäre eine tolle Touristenattraktion hier in Jordanien und durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Tourismusbüros können lokale Anbieter wie Restaurants, Hotels und Märkte miteinander verbunden werden“, sagte Qudah.

 

„Es ist nicht das Seilbahnprojekt selbst, dass das Besondere im Fall von Ajloun sein wird, sondern das Geschäft, das es in die Gegend bringt“, fügte er hinzu.

Ajloun Seilbahn


Länge: ca. 3 km
Fahrtzeit: ca. 20 min.
Anzahl Kabinen: 40 bei Bedarf 60
Kapazität der Kabinen: 8 P.

Tourismus


Im Jahr 2018 kamen etwa 250.000 Touristen nach Ajloun, davon stammten 61.000 aus dem Ausland. Alleine der öffentliche Park wurde in dieser Zeit von rund zwei Millionen Menschen besucht und gibt den Bewohnern der Region Hoffnung auf den lang ersehnten Tourismusboom.

 

„Ajloun braucht dieses Projekt, um Arbeitsplätze zu schaffen und es erneut auf die Tourismuskarte zu setzen. Die Stadt hat in den letzten zwei Jahrzehnten an Bedeutung und Anklang bei Einheimischen und Touristen verloren“, sagte der Präsident der Ajloun-Entwicklungszone Hamzeh Haj Hassan.

 

„Die Anzahl der Touristen würde sich nach ersten Einschätzungen mit dem Bau der Seilbahn mindestens verdoppeln. Die Einheimischen werden einen neuen Ort haben, an den sie gehen können, und Touristen werden einen neuen Ort haben, den sie besuchen und vielleicht auch über Nacht bleiben können “, sagte Haj Hassan.

 

Es gibt drei Hotels in Ajloun, von denen keines mit fünf Sternen ausgezeichnet wurde, aber man zeigt sich optimistisch, dass wenn eine solche Anlage gebaut werden sollte, diese mit anderen Attraktionen des haschemitischen Königreichs, wie dem Toten Meer, den Ruinen auf Jabal al-Qala‘a und der Hafenstadt Aqaba, vergleichbar wäre.

 

Die geplante Seilbahnanlage soll mit 40 Achterkabinen ausgestattet werden, von denen man einen „exklusiven“ Blick auf das Schloss von Ajloun hat. Bei Bedarf wäre auch eine Erweiterung auf bis zu 60 Kabinen denkbar. Die Fahrt in der etwa drei Kilometer langen Seilbahn soll jeweils rund 20 Minuten dauern.

 

In einem Interview mit einer lokalen Zeitung in Jordanien sagte Haj Hassan, dass die Ausschreibung für das Projekt bereits im Laufen seien und die in Frage kommenden Unternehmen das Projekt in Kürze beginnen könnten. Für den Bau ist ein Zeitraum von 18 Monaten vorgesehen.

 

In dieser Zeit sollen weitere Investitionsprojekte in der Region umgesetzt werden. Der Bau von Hotels, einem Konferenzsaal, Geschäften, Restaurants und Chalets soll, laut dem Ministerpräsidenten parallel, zum Seilbahnprojekt Ajloun umgesetzt werden.

 

Die JIC habe bisher drei Angebote von europäischen Unternehmen erhalten, um das Projekt zu finanzieren und zu bauen, als Gegenleistung für einen Gewinnanteil, erklärte Qudah der Jordan Times. Aber „es ist bis jetzt noch unklar, wie die Aktien aussehen werden, da die JIC noch kein Unternehmen ausgewählt hat“, erklärte er.

 

Inzwischen hat das Projekt noch eine Hürde zu überwinden. Ein Bereich der Gegend, welches für den Bau der neun Seilbahnstützen benötigt wird, befindet sich in Privatbesitz und bisher konnte man sich mit dem Eigentümer noch nicht über das weitere Vorgehen einigen. tm