DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN
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Als DOPPELMAYR im Jahr 2012 seine Niederlassung in La Paz gründete, gab es eine Vision von Präsident Morales und eine staatliche Gesellschaft, die für die Umsetzung verantwortlich sein sollte: Mi Teleférico unter der Führung von César Dockweiler. Zu dieser Zeit reiste Torsten Bäuerlen als Teil des Projektmanagement- Teams zum ersten Mal nach Bolivien und blieb.

 

Seine Mission ist es, gemeinsam mit mittlerweile 100 DOPPELMAYR-Experten und rund 800 externen Fachleuten den Traum des ökologischsten und ökonomischsten urbanen Verkehrsmittels in Bolivien zu realisieren.

„Es ist ungemein spannend. Seit dem ersten Tag, praktisch seit der ersten Schraube“, sagt der junge Mann, der unter anderem die reibungslose Koordination zwischen Mutterhaus in Wolfurt und der Niederlassung in Bolivien pflegt. „Dieses weltgrößte urbane Seilbahnnetz ist viel mehr als ein unschlagbares öffentliches Verkehrsmittel, das der Bevölkerung eine beachtliche Zeitersparnis im täglichen Transport ermöglicht.

 

Es bringt einen Wandel im Denken, lehrt mehr Achtsamkeit mit der Umwelt, zeigt auf, dass ein Entwicklungsland eine weltweite Vorreiterrolle in einer wichtigen Frage übernehmen kann. Es macht die Menschen stolz auf ihr Land. Der Bau dieses Seilbahnnetzes bedeutet Aufbruchstimmung, die anhält.“ Die ersten drei Linien – in den Nationalfarben Boliviens – rot, gelb und grün sind 2014 in Betrieb gegangen und transportieren heute täglich rund 75.000 Menschen in 443 CWA-Omega IV-Kabinen vom 700 Meter höher gelegenen El Alto nach La Paz und retour. 17 Stunden, jeden Tag.

Die zweite Phase verdreifacht Angebot
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Nahtlos ging Phase I in Phase II über und die erste Linie, die Línea Azul, wurde bereits feierlich eröff net. Sie führt auf einer Länge von 4.934 Metern über 40 Stützen, 223 Kabinen bis nach Rio Seco. „Es wird nun an mehreren Linien parallel gearbeitet, denn die Línea Naranja mit vier Stationen wird bereits im September in Betrieb gehen, gefolgt von der Línea Bianca, die Ende 2017 für den öffentlichen Verkehr freigegeben werden soll.

Es folgen die hellblaue Líniea celeste (Anfang 2018), die braune Línea Café und die violette Líniea morada bis Ende 2018. Um eine weitere Linie wird noch schlussverhandelt. Die silberne Línea plateada wird das Netz perfektionieren. „Die silberne Línea Plateada wird das Netz perfektionieren, da sie das letzte Glied darstellt, um den Seilbahn-Ring um das Zentrum von La Paz herum zu schließen“, erklärt Torsten Bäuerlen.

 

La Paz ist eine quirrlige Millionenstadt. Auch El Alto, ehemaliger Stadtteil und heute selbständige Stadt, nähert sich einer Einwohnerzahl von einer Million. Nahezu unvorstellbar wie hier hunderte Standorte für Stützen gewählt und über Bauvoraussetzungen verhandelt werden können. Wie überall in den beiden Städten Stationen gebaut werden, ohne den laufenden Verkehr und die Geschäftigkeit einer Großstadt auffallend zu stören.

 

„DOPPELMAYR ist bei diesem Projekt Generalunternehmer. Das bedeutet jeden Tag unterschiedlichste Aufgaben – die Anlieferung hunderter Container mit der Seilbahntechnik bewältigen, Montageaktivitäten auf engstem Raum, Baustellenlogistik inmitten chaotischer Innenstadtverhältnisse bis hin zu Abstimmungen und Genehmigungsprozessen mit diversen Behörden.

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Täglich gibt es neue Herausforderungen und das verlangt höchste Flexibilität. Es entstehen, abgesehen von der Seilbahntechnik, Stationsgebäude mit diversen Dienstleistungen und kommerziellen Flächen, sowie großzügige Außenbereiche mit Bushaltestellen, neu organisierten Straßenfügungen, aber auch öff entlicher Raum mit Grünfl ächen für die Bevölkerung“, gibt Bäuerlen Einblick in die Arbeit des DOPPELMAYR-Teams und seiner Partner.

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Und jede kleine Veränderung bedingt neue Planungsschritte auch im Mutterhaus in Vorarlberg.

Nationalstolz und Hoff nung
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Sowohl Boliviens Präsident Morales als auch der Chef von Mi Teleférico, César Dockweiler, setzen alles daran, ihr eigenes Volk mit einzubinden, zu begeistern, zu motivieren und auch in die Pfl icht zu nehmen. Genau das funktioniert beispielgebend.

Die bereits stark frequentierten Stationen muten nach einem Jahr noch an wie gestern eröff net. Freude und Stolz sind überall spürbar. Und das Netz wächst täglich seinem Ziel entgegen: Am Ende der Bauzeit werden rund 1.400 Kabinen auf zehn Strecken – mehr als 6.200 Betriebsstunden pro Jahr – Millionen Menschen umweltfreundlich, schnell und sicher transportieren. ah

Im Endausbau 1.400 Kabinen und 26 Seilbahnstationen, Bushaltestellen und Grünfl ächen – hat man in La Paz keine Angst vor den hohen Kosten, die durch Vandalis mus entstehen? Fehlanzeige. Denn der Betreiber Mi Teleférico hat bestens vorgesorgt. Durch beispiellose Aufklärung und Sensibilisierung der Bevölkerung. Mi Teleférico heißt: Meine Seilbahn. Und so empfi ndet es die Bevölkerung von La Paz.

 

Dafür gibt es bei jedem Bahnhof Begrüßungs- und Informations- Personal und es wird in die Sauberkeit der Stationen investiert. Das Seilbahnnetz übt eine unaufdringliche Erziehung auf die Menschen aus. Die Hoff nung, dass sich dies auch auf andere Bereiche überträgt lebt mit jedem Schritt, der gesetzt wird. Mit zunehmendem Stolz auf „Meine Seilbahn“ wächst die Bereitschaft, dafür auch ein Stück Verantwortung zu übernehmen.