DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

La Reunion


Die Insel ist reif für zwei Seilbahnen!
stadt

Gleich zwei urbane Seilbahnen plant Saint-Denis, die Hauptstadt der französischen Insel La Réunion, um ihre Verkehrsprobleme in den Griff zu bekommen. Während eine Seilbahn ganz klassisch einen Berg erschließen wird, soll die andere Seilbahn mit fünf Stationen direkt durch die Stadt führen. Konkret hat die interkommunale Agentur CINOR zwei Vorschläge für Seilbahnen erarbeitet, die als „Bellepierre – La Montagne“ und „Chaudron – Bois-de-Nèfles“ bezeichnet werden.

Aufgrund der Aussicht rechnen die Projektentwickler auch mit einer touristischen Rolle der Seilbahn Bellepierre – „La Montagne“.

Bellepierre <> La Montagne

Die erste Seilbahnstrecke befindet sich im Westen von Saint-Denis und soll den Stadtberg La Montagne erschließen. Dort wuchs in den vergangenen Jahren die Einwohnerzahl um neun Prozent auf 13.300 Einwohner. Da 2.250 zusätzliche Wohneinheiten vorgesehen sind, wird der Verkehr bis 2021 um 15 Prozent auf 14.000 Fahrzeuge pro Tag zunehmen. Umso wichtiger scheint für die Planer der Bau der Seilbahn zu sein. Die 1,3 Kilometer lange Seilbahn soll mit ihrer weniger als fünf Minuten langen Fahrtzeit den Berg mit der Talstation Bertin-Hopital verbinden. Dort können die Fahrgäste nahtlos in das Busnetz der Region einsteigen.

Die erste Seilbahn erschließt den Stadtberg La Montagne.

Angesichts der spektakulären Aussicht auf das Plateau erwarten Projektentwickler, dass die Seilbahn auch eine touristische Rolle spielen wird. Aufgrund von Luftbildern und Online-Kommentaren der Einheimischen konnten sie ein System entwerfen, das nicht nur die visuellen Beeinträchtigungen durch die Seilbahn verringert und private Grundstücke umgeht, sondern auch die Stützenanzahl auf vier minimiert. Die Anlage ist als Dreiseilumlaufbahn konzipiert und erfordert eine Investitionssumme von 30 bis 35 Millionen US-Dollar. Wenn alles nach Plan läuft, kann die CINOR die Seilbahn zwischen 2020 und 2022 eröffnen.

Chaudron <> Bois-de-Nèfles

Wesentlich weiter fortgeschritten sind die Pläne für die zweite Seilbahn Chaudron – Bois-de-Neflès, deren Konzept bereits 2016 vorgestellt wurde. Die Umlaufseilbahn soll mit einer Länge von 2,5 Kilometern fünf Stationen im Stadtgebiet ansteuern. Geplant sind 46 Kabinen mit je zehn Sitzplätzen, um die erwarteten 6.000 bis 7.000 Passagiere pro Tag transportieren zu können.

Die Anlage kommt damit nicht nur den rund 15.000 Studierenden der Universität Réunion zugute, sondern auch den 53.000 Einwohnern in den betroffenen Vierteln von Moufia (15.000 Einwohner), Bois-de-Nèfles (9.000 Einwohner) und Chaudron (29.000 Einwohner). Das Projekt ist besonders wichtig für den sich schnell entwickelnden Stadtteil Bois-de-Nèfles, wo eine neue High School und eine Reihe neuer Gewerbeparks in Vorbereitung sind.

Auch die Universität Réunion ist an das Seilbahnnetz angebunden.

Obwohl das Projekt nicht zu den größten urbanen Seilbahnnetzen der Welt zählt, ist es mit seinen fünf Stationen mit den großen Systemen in La Paz vergleichbar (etwa der Blue Line oder der White Line).

Für die Planer ist die Seilbahn jedenfalls unverzichtbar, da die Bevölkerung aufgrund der steilen und engen Bergstraßen im Verkehr erstickt und mit erheblichen Staus konfrontiert wird. Mit einer 13-minütigen Gondelfahrt hoffen die Befürworter, die Verkehrslage spürbar zu verbessern und durchschnittlich 6.100 Fahrgäste pro Tag anzuziehen. Zudem wird die Seilbahn in die regionalen Verkehrspläne ein- und an die anderen öffentlichen Verkehrsmittel angebunden.

Die Seilbahn Chaudron – Bois-de-Nefles erschließt die Stadtviertel Le Chaudron, Moufia, Bois de Nèfles und Bancoul. Fotos: Telepherique-urbain.org

Für den nötigen Rückhalt in der Bevölkerung hat die Agentur CINOR 2017 vier Monate lang Rückmeldungen von Interessengruppen eingeholt, mehr als 1.000 Antworten gesammelt und mit mehr als 350 Einheimischen diskutiert. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass 85 Prozent der Befragten die Seilbahn bevorzugen. Daher wurde Ende 2017 der Bauauftrag in Höhe von insgesamt 53 Millionen US-Dollar offiziell an den französischen Hersteller POMA vergeben, der bis Ende 2019 den Weg für die Systeminbetriebnahme ebnen und die Seilbahn gemeinsam mit einem Konsortium auch betreiben wird. ts

Die zweite Seilbahn führt mit fünf Stationen durch die Stadt.