DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

Die digitale Seilbahn


Über WLan und Netzwerklösungen für urbane Seilbahnen

Ob Kommunikation, Sicherheit, Werbung oder Kundenbindung – es gibt zahlreiche Gründe, um eine urbane Seilbahn zu einer digitalen Anlage zu machen. Dabei geht es immer häufiger darum, die systemkritische Kommunikation zwischen Gast und Personal durch Unterhaltungsangebote zu erweitern.

Fünf Millionen User nutzen monatlich das WLAN der urbanen Seilbahnen in La Paz. Foto: DOPPELMAYR

 

Der grundlegende Fokus liegt auf der Cybersecurity der Netzwerke für die Kommunikation mit den Fahrgästen im Notfall und der Prozessüberwachung im Seilbahnbetrieb. „Wichtig ist ein Backdoor-freies, Firewall geschütztes Betriebsystem, das Hackerangriffe standhalten kann“, sagt Markus Todt, Country Manager Österreich von LANCOM, einem führenden Netzwerkhersteller aus Deutschland.

 

Zusammen mit dem österreichischen Unternehmen LOOP21 hat der Hardwareproduzent bereits zahlreiche Seilbahnen im alpinen und urbanen Raum ausgerüstet, darunter Anlagen in La Paz (Bolivien) und Haifa (Israel).

 

„Nur wenige Unternehmen können Herausforderungen wie Gelände, Funklöcher und fehlende Konnektivität bewältigen, wie sie bei Seilbahnen auftreten. Auch für rechtliche Hindernisse gilt es Lösungen zu finden“, so Wolfgang Frajuk, Marketingleiter bei LOOP21.

 

Denn als Teil des öffentlichen Personennahverkehrs muss das WLAN von urbanen Seilbahnen 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche funktionieren.

Manuel Urbanek, Geschäftsführer von LOOP 21

„Die Kabinen des urbanen Seilbahnnetzes von La Paz sind mit einem Mobility Communication System ausgerüstet. Dieses System verfügt neben einem WLAN-Zugang für die Fahrgäste auch über ein Ein- und Gegensprechsystem mit Notruffunktion, eine Security-Cam und eine Steuereinheit zur autonomen Energieversorgung der Einheiten, unter anderem mittels Solarpanel. Die Stadt profitiert zudem von Echtzeit-Analysen der WLAN-Hotspots.“

„Die Kommunikation des Betriebs- bzw. Rettungspersonals mit den Fahrgästen muss jederzeit gewährleistet sein. Das WLAN wird so zum sicherheitsrelevanten Equipment“, erklärt Manuel Urbanek, Geschäftsführer von LOOP21. Steuerung, Kontrolle und Überwachung im öffentlichen Verkehr sei heutzutage ein Muss.

 

„Mit einem eigens entwickelten Mobility Communication System wird der laufende Betrieb der Seilbahn optimiert“, so Urbanek weiter. Durch die WLANVersorgung der gesamten Strecke können Mitarbeiter in einzelne Kabinen einsprechen und gegensprechen, Musik oder Infodurchsagen einspielen, das Licht in den einzelnen Kabinen steuern und auf Sicherheitskameras zugreifen.

 

Die Steuerung erfolgt zentral über einen Touch-Display im Kontrollraum. Kernstück der Netzwerklösungen sind Access-Points, die an Masten und Gondeln angebracht sind und das WLAN herstellen.

 

„Hochperformante Funkmodule sorgen auch unter schwierigen Bedingungen für sicheren und schnellen Empfang“, betont Todt. Da die Access-Points speziell für den Outdoor-Einsatz entwickelt wurden, halten sie auch harter Witterung stand und funktionieren bei Temperaturen von minus 33 bis plus 70 Grad.

Markus Todt (LANCOM Systems) und Manuel Urbanek (LOOP21) präsentieren den WLAN Access Point, der auch unter eisigen Bedingungen funktioniert. Foto: SI/Surrer

Vorteile für Betreiber und Gäste


WLAN in urbanen Seilbahnen hat vor allem Vorteile für den Betreiber. Durch das Intercom-System können Mitarbeiter in die Kabinen Einsprechen und Gegensprechen, auch vollautomatische Selbsttests sind möglich. Zudem kann die Sicherheit des Seilbahnbetriebs durch Security-Kameras (CCTV) und durch die Ortung des Fahrzeugs entlang der Fahrstrecke gesteigert werden.

 

„Der Betreiber hat über das Netzwerk Zugriff auf Sensoren für Luftdruck, Außentemperatur und Windstärke“, führt Frajuk weiter aus. Zusammen mit der Überwachung von Stützen, Rollenbatterien und Seilfeld führe dies zu einer hohen Ausfallsicherheit des gesamten Seilbahnnetzes.

 

Hinzu kommen nach Wunsch LWL/Richtfunk, Hindernisfeuer, sowie Digital Signage und Audio Infotainment. Doch auch die Passagiere urbaner Seilbahnen profitieren von WLAN und Netzwerklösungen. So haben sie einen öffentlichen Internetzugang per Hotspot und können standort- bzw. benutzerabhängige Informationsdienste nutzen. Auch Soundsysteme, Digital Signage und Audio Infotainment, sowie Rettungsknöpfe sind verfügbar.

Kernstück der Netzwerklösungen sind Access-Points, die an Masten und Gondeln angebracht sind und das WLAN herstellen. Foto: SI/LOOP 21

Ausblick: Internet of Things (IoT)


Unter dem Schlagwort „Internet of Things“ haben WLAN-Netzwerke von urbanen Seilbahnen potentiell noch viel mehr zu bieten, wie Urbanek betont: „Von personalisierter und ortsbezogener Werbung in den Kabinen, über den Bestellprozess und der Preisgestaltung, bis hin zu Vorauszahlungsinformationen, mit dem Smartphone gibt es zahlreiche Anwendungsbereiche.“

 

Selbst das Messen der Stromversorgung über WLAN ist möglich, wie die Seilbahnbetreiber in La Paz bereits beweisen konnten. Urbanek blickt daher optimistisch in die Zukunft: „Smart City und IoT sind die Motoren für mehr WLAN in urbanen Seilbahnen!“