DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN
Auch München träumt von einer Seilbahn
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Bereits seit dem Jahr 2009  wurde geplant und spätestens nach einer Präsentation im Jahr 2014 sind viele Menschen von der Idee der Planer Thomas Kantke und Stefan Baumgartner begeistert. Sie haben den technischen Hintergrund zu einer 3S-Bahn zwischen Flughafen und Messe akribisch ausgearbeitet. Auch die Politik ist bald darauf aufmerksam geworden. Nun hofft man, dass das Sprichwort recht hat: Was lange währt, wird endlich gut. (Foto: Shutterstock)

Die Anbindung zwischen dem Flughafen Franz Josef Strauss und der Messe München ist sowohl den Bürgern als auch der Politik schon lange ein dringliches Anliegen. Bislang scheute man sich jedoch vor der letzten Entscheidung. Diskutiert werden ein S-Bahn aber auch eine 3S-Bahn. Jahrelang hatte auf politischer Ebene das S-Bahn-Projekt die Nase vorne. Doch das scheint nun langsam in Richtung Seilbahn zu kippen.

 

Noch gibt es keine offiziellen Aussagen. Auch der Oberbürgermesiter der Stadt, Dieter Reiter, zog es vor, sich der Si Urban gegenüber (noch) nicht zu äußern.„Man will sich innerhalb der CSU in der Stadt und im Land zuerst einig werden. Ein Informationsdesaster wie bei der Straßenbahn durch den Englischen Garten will man wohl bei der Messeanbindung vermeiden“, sagt der Städteplaner Thomas Kantke.

 

Und er weiß, wie langsam die Mühlen mahlen, hat er doch bereits im Jahr 2014, gemeinsam mit dem Planer Stefan Baumgartner, die Idee nicht nur geboren, sondern auch bis ins technische Detail analysiert. Ab Bahnhof Englschalking mit Zwischenhalt in Riem soll die luftige Verbindung zur Messe die Fahrzeit für Passagiere ab Flughafen von 60 auf 34 Minuten verkürzen. Das wäre nach Kantkes Vorstellung zum üblichen MVV-Tarif zu haben, in den das vierete Münchner Nahverkehrsmittel eingegliedert werden soll.

Thomas Kantke


„Das Ergebnis der Planung mit Bürgerbeteiligung ist, dass eine Seilbahn in der Bauart 3S-Bahn technisch machbar ist und rund 85 bis 95 Millionen Euro kosten würde. Die 3S-Bahn würde den ÖPNV im Münchner Osten ganz erheblich verbessern.  Auch die Anforderungen der Flugsicherung konnten erfüllt werden, wie die Forderungen des Freistaates Bayern. Die Anlage ist inzwischen von Seilbahningenieuren durchgerechnet worden. Kein einziger Baum müsste gefällt erden, die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger bleibt gewahrt.“

Seine Vision, die er bereits im Jahr 2014 präsentierte: Über fünf bis zu 150 Meter hohe Stützen kreisen 64 Kabinen zwischen Englschalking und Messe. 32 Passagiere passen in jede Kabine und sind in 10 Minuten am Ziel. Im - damaligen - Vergleich zu U-Bahn und Tram (120 Millionen) wäre die 3S-Bahn für 85 Millionen Euro günstig zu haben, würde in einem 2,5-Minuten-Takt der Tram entsprechen und bis zu 4.800 Menschen pro Stunde und Richtung schaffen.


Am 14. Oktober 2015 stellte der Abgeordnete Markus Rinderspacher (SPD) bereits eine schriftliche Anfrage über die Realisierung einer 3S-Bahn in München - übrigens nach wie vor der Rolls Royce der Umlaufbahnen – an den Bayerischen Landtag.


Seit dem wird heftigst diskutiert. Aber, so Thomas Kantke zufrieden, die politische Hintergrundarbeit am Projekt komme unterdes weiter gut voran. Und das ist gut so, denn er hat bislang alle Kosten dieses Projekts selbst übernommen und ist gleichsam sein eigener Auftraggeber. „So freut es mich natürlich doppelt, dass die Zahl der Befürworter dieses Projekts stetig steigen“, sagt er.

Die wachsende Zustimmung verwundert nicht. Neben der Tatsache, dass der Verkehr auf den Straßen kurz vor dem Kollaps stehen aber auch die offene Diskussion und die erfolgreichen Bemühungen für tragbare Kompromisse überzeugen die Menschen mehr und mehr von der hohen Lebensqualität, zu der eine urbane Seilbahn als Nahverkehrsmittel wesentliches beitragen kann.

 

„Wir haben in mehreren Workshops zusammen mit einzelnen Anwohnern eine Anhebung der Seillinie eingeplant. Da einige Anwohner Bierflaschenabwürfe von betrunkenen Fahrgästen befürchteten, haben wir und auch auf vollklimatisierte Kabinen mit nicht zu öffnenden Fenstern geeinigt“, erklärt Kantke. Was viele Menschen überzeugt sind auch die finanziellen aber auch die baulichen Vorteile einer 3S-Bahn.

 

„Eine U-Bahn erfordert mit 600 Millionen einen mehr als sechsmal so hohen Investitionsaufwand. Der Bau eines U-Bahn-Turmbahnhofs unter der bestehenden U-Bahn in der Messestadt West und der Bau einer Abstell- und Wendeanlage unter dem Einkaufszentrum Riem Arcaden und der Tiefgarage würde extrem teuer und aufwändig“, erklärt der Planer. Nach informativen Workshops sind heute 70 Prozent der Münchnerinnen und Münchner für den Bau der 3S-Bahn, was wohl auch ein weiteres Umdenken bei bislang noch U-Bahn-freundlichen Politikern zur Folge haben wird. ah

Randnotitzen


  • Auch wenn sich Oberbürgermeister Reiter derzeit nicht öffentlich positionieren will, tat er dies bereits in einem Interview mit der Abendzeitung als er sagte: „Die Grünen haben ja auch mal eine Seilbahn ins Gespräch gebracht – das könnte ich mir an manchen Stellen schon auch vorstellen. Ich will da gar nichts ausschließen, schließlich haben wir in den nächsten Jahren eine Mammut-Aufgabe vor uns, nämlich einen Zuwachs zu managen, wie ihn keine andere Stadt in Deutschland hat.“
  • Die Bauma München ist nach der IAA Genf und der Cebit in Hannover mit 600.000 Besuchern die drittgrößte Messe der Welt. Sie wird im Jahr 2022 wieder stattfinden und bis dahin muss eine Lösung gefunden sein. Während der Bauma sind zwischen Flughafen und Messe mit Hin- und Rückfahren 240.000 Einzelfahrten zu erwarten, davon 60 Prozent, also 144.000 mit dem öffentlichen Nahverkehr. Die Seilbahn müsste dafür pro Stunde und Richtung 4.800 Personen befördern können, was die Seilbahnindustrie als absolut möglich bezeichnet. Alle 24 Sekunden würde dafür eine Kabine mit jeweils 20 Sitzplätzen und 12 Stehplätzen auf die Strecke geschickt werden.