DAS MAGAZIN FÜR URBANE SEILBAHNEN

60 Jahre


Kölner Seilbahn
tourismus

Die viertgrößte Stadt Deutschlands ist nicht nur wegen ihres imposanten Doms und ihres wohlschmeckenden Biers bekannt. Köln kann mit einer historischen Stadt-Seilbahn aufwarten, die einiges zu bieten hat.

Seit bereits 60 Jahren transportiert die Kölner Seilbahn Passagiere über den Rhein. Dass die Seilbahn so lange fahren würde, hätte keiner gedacht. Doch die Kölner haben es nicht zugelassen, dass man ihnen ihr Wahrzeichen wieder nimmt.


Begonnen hatte alles 1957 mit der Bundesgartenschau. Der Gedanke, neben der Hohenzollernbrücke eine weitere Verbindung über den Rhein zu schaffen, um so das Gartenschaugelände von Norden zu erschließen, kam bei den Stadtplanern auf. Es entstand eine Seilbahn mit viersitzigen Kleinkabinen und diese sollte eigentlich nur für fünf Jahre in Betrieb gehen.

 

Die Seilbahn – übrigens die erste in Europa, die über einen Strom führte – wurde ein richtiger Renner. Stündlich konnten bis zu 2.400 Personen transportiert werden. Nach diesem großartigen Erfolg beschlossen die Stadtväter die abgelaufene Saison nochmals zu verlängern.

Seilbahn wurde zum Renner


 

Erste Zweifel über den Fortbestand der Seilbahn wurden allerdings laut als mit dem Bau der Stadtautobahn, die auch über den Rhein führte, begonnen wurde. Man hatte Sorge, dass sich die Autofahrer von der Seilbahn ablenken ließen.

 

Die Kölner wollten jedoch ihre liebgewonnene Seilbahn nicht wieder hergeben und letztendlich entschied sich die Stadtgemeinde für eine Weiterführung, wenn auch in veränderter Form, so dass man auch heute noch den Blick über Köln aus der Vogelperspektive genießen kann.

 

Dank Übernahme durch die Kölner Verkehrs-Betriebe AG (KVB) und zahlreicher Aktivitäten hinsichtlich Modernisierung und Marketing ist der Betrieb der Seilbahn inzwischen kein Verlustgeschäft mehr. Seit 2014 wird die Seilbahn von Sonja Lorsy und Thomas Miebach geführt. Birke Müller führte anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten ein Interview mit Frau Lorsy:

Si Urban: Die Kölner Seilbahn war die erste Seilbahn, die in einer Stadt über einen Strom führte. War sie damals schon eine reine Touristenattraktion oder diente sie auch als Transportmittel, um über den Rhein zu gelangen?

Sonja Lorsy: Nein. Die Seilbahn wurde eigens für die Gartenschau gebaut und wäre auch für umfangreiche Transportzwecke aufgrund der kleinen Kabinengröße dafür gar nicht geeignet gewesen.

 

In Europa beginnt man die Vorteile von Seilbahnen im städtischen Bereich zu erkennen. Beispiel Berlin: Da ist man ja mit der Seilbahn Welt der Gärten Ihrem Weg gefolgt. Hierbei handelt es sich aber auch hauptsächlich um eine Touristenattraktion. Haben sich die Berliner Unterstützung bei den Kölnern geholt?

Nein, die haben das ganz alleine geschafft. Ich kenne auch ehrlich gesagt kein Projekt in Deutschland, das in Richtung Verkehrslösung geht. Auch in Koblenz führt hauptsächlich aus touristischen Gründen eine Seilbahn über den Rhein. In Wuppertal gibt es hingegen erste Ansätze, in Bonn gibt es Überlegungen.

 

Wie viele Passagiere werden jährlich transportiert?

2016 waren es 490.000, das Jahr 2014 wies mit 503.000 einen Rekord auf. Schwankungen sind immer wieder möglich. Das hängt stark vom Wetter ab. Sobald die Seilbahn im März eröffnet, gibt es zunächst einmal einen regelrechten Ansturm. Ist es dann wieder kalt, bleiben auch sofort die Gäste weg. Deshalb führen wir die Bahn auch nur von März bis November. Den Winter nutzen wir für Revisionsarbeiten.

Die Kölner Seilbahn präsentiert sich in nostalgischem Gewande. Steckt dahinter eine Marketingsstrategie? Zieht man in einer Großstadt damit mehr Gäste an?
Ja, auf jeden Fall. Die Leute lieben das, aber abgesehen davon stehen die Kabinen unter Denkmalschutz. Was nicht heißen soll, dass wir gegen Neuerungen sind. Wir überlegen uns immer wieder etwas Neues, um Gäste anzuziehen, so wie etwa die Nacht- oder Hochzeitsfahrten, die extrem gut angenommen werden.

 

Es gab ja, als die Autobahn gebaut wurde, Befürchtungen, die Autofahrer könnten abgelenkt werden und es könnte zu Unfällen kommen. Gab es schon mal einen derartigen Zwischenfall?
Nein. Das ist auch kaum möglich, da auf der Brücke sowieso immer Stau ist.

 

Anfangs waren die meisten Passagiere deutsche Fahrgäste. Hat sich das inzwischen geändert?
Zu uns kommen Gäste aus aller Welt. Unsere Homepage erscheint inzwischen in 9 Sprachen. Bei einem Kölnbesuch gehört eine Fahrt mit der Seilbahn und ein Besuch im Rheinpark einfach dazu.

 

Was ist ihre persönliche Meinung zum Thema Urbane Seilbahnen. Glauben Sie, wird sich diese sanfte Mobilität in den kommenden Jahren auch in Deutschland durchsetzen?
Ich glaube, dass die Seilbahn ein super Transportmittel ist. Günstig und schnell. Aber ich wage zu bezweifeln, dass das in Deutschland funktioniert. Irgendwo muss die Bahn ja drüberführen. Und da werden sich die Anrainer sicherlich querstellen, befürchte ich.

 

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?
Wir möchten gerne einen Sprechfunk in den Kabinen einrichten. Dann kann man, z.B. bei den Hochzeitsfahrten oder anderen Veranstlatungen Durchsagen machen.

 

Zum Schluss eine persönliche Frage: Wie oft fahren Sie selbst mit der Seilbahn?
Leider zu wenig, diese Saison erst dreimal.

 

Was genießen Sie dabei am meisten?
Es ist total schön die Stadt von oben zu sehen. Dazu kann man die Ruhe genießen – das entspannt total!

Kölner Seilbahn


  • Länge der Fahrstrecke etwa 930 m
  • Größte Bahnneigung etwa 40 %
  • Fassungsvermögen 4 Personen
  • befördernde Kabinen/h: 400
  • Förderleistung/h: 1600 Personen
  • Fahrgeschwindigkeit 2,8 m/s
  • Fahrzeit etwa 6 Minuten
  • Anzahl Stationen 2
  • Anzahl Stützen 3
  • Anzahl der Wagen: für die Strecke 37 für die Stationen 7 zusammen 44 Wagen
  • Stärke Motoren 2 x 37 kW